Bermuda-Azoren

Ausklarieren, die letzten Bermuda Dollar ausgeben und wir sind fertig zur Abfahrt. Dann kommt Johannes von der „Luna“ mit dem neusten Wetterbericht, ein dickes Tief bildet sich über dem Atlantik und bringt viel Wind. Da wir da nicht reingeraten wollen, verschieben wir unseren Start um eine Woche und fühlen uns ziemlich ausgebremst. So können wir noch den „Bermuda Day“, den Nationalfeiertag, mitbekommen. Schattenspendende Zeltpavillions säumen die Straßen der Hauptstadt. Beim Warten auf die große Parade werden wir prompt von unseren Nachbarn zu Rumpunsch und Kuchen eingeladen. Wir genießen die lockere Art der Bermudianer während die einzelnen Gruppen vorbei defilieren. Eine Woche später verschwindet die Silhouette von Bermuda in unserem Kielwasser. Keine 20 Minuten später gibt es einen Alarm vom Autopilot. Er kann den Kurs nicht halten. Sascha zerlegt ihn, fettet alles neu ein und baut ihn wieder zusammen. Die lange Strecke wollen wir nicht von Hand steuern. Zusammen mit der Windfahnensteuerung und ein paar Gummibändern können wir die Lotte auf Kurs bringen. Der Himmel verdunkelt sich, Wind und Wellen nehmen kräftig zu. Es wird ungemütlich als ein Tiefdruckgebiet über uns hinweg zieht. Nach Regen kommt Sonne, leider ist aber jetzt der Wind weg. Wir starten den Motor und staunen nicht schlecht, das wir nur 2,5 kn Fahrt machen (normalerweise 4,5 kn). Wir sind in eine starke Strömung geraten, die uns in wilden Kringeln und Schleifen durch die Gegend schiebt. Neben uns im Wasser entdecken wir einen blauen Schimmer, der sich bei genauerem Hinsehen als ein Schwarm Doraden entpuppt. Die schönen Fische begleiten uns fast den ganzen Tag. Immer wieder kommen auch Delfine zu einer kurzen Stippvisite vorbei. Zum ersten Mal auf unseren Reisen treffen wir andere Segelboote auf See. Wir fotografieren uns gegenseitig und halten einen kurzen Plausch über Funk, eine schöne Abwechslung. In der letzten Woche werden wir mit schönstem Segelwetter für alle vorangegangen Strapazen belohnt. Am Morgen des 21. Tages ist Lotte ein paar Meilen vor Flores. Beim Starten des Motors entdecken wir zu unserem Entsetzten eine lange Kunststoffleine, die wir hinter uns herziehen. Eine Unterwasserüberprüfung mit der Kamera zeigt: sie ist um den Propeller gewickelt. Schnell springt Sascha, mit einem Messer bewaffnet, ins kalte Wasser und schneidet die Leine los. Erleichtert fahren wir in den kleinen Hafen von Lajes das Flores ein. Ganz erstaunt sind wir, dass wir fast alle Boote im Hafen kennen. Die Fahrtenseglergemeinde ist halt wie ein kleines Dorf.

Nachdem wir ausgeschlafen sind, mieten wir für zwei Tage ein Auto und erkunden die atemberaubende Landschaft der kleinen Azoreninsel. Auf blütengesäumten Straßen fahren wir zu zahlreichen Calderen und Wasserfällen. In einer kleinen Bar fiebern wir mit der Deutschen Mannschaft gegen Schweden (mehr brauchen wir dazu nicht zu schreiben). Unser nächster Anlaufpunkt in den Azoren ist Horta auf Faial. Für alle Fahrtensegler ein berühmter Ort. Es soll Unglück bringen, wenn man sich nicht mit seinem Logo auf der Hafenmole verewigt. So zieren unzählige Gemälde die Mauern und Wege um den Hafen. Ein anderes Muss ist ein Besuch in Peter‘s Cafe Sport. Seit 1918 haben hier alle großen Segler der Welt ihren Kaffee getrunken und einen Wimpel hinterlassen.

Jetzt warten wir sehnsüchtig auf gutes Wetter um nach Cherbourg zu segeln, da wir Anfang August wieder zu Hause sein wollen. Wie es uns auf unserem letzten Abschnitt ergangen ist, erfahrt ihr im nächsten Bericht.

Bermuda

Der Wind pfeift uns in Sturmstärke um die Ohren, Salzwasser rauscht über das Deck und Wellen krachen gegen die Bordwand. Eingepackt in Ölzeug trotzen wir den Elementen. Als wir in Spanish Wells, Bahamas die Segel setzten, schien noch die Sonne von einem wolkenlosen Himmel. Drei Tage hält das Mistwetter an. In der Kajüte ist alles nass und wir haben schon fast Schwimmhäute. Über Funk hören wir das sich das Wetter bessern soll und tatsächlich scheint am 4. Tag die Sonne auf „Lotte“. Nach dem Abendessen, bekommen wir Besuch von einer Schule Delfine. Noch lange stehen wir am Bug und schauen dem ausgelassenen Spiel der eleganten Tiere zu. Mit dem guten Wetter wird leider auch der Wind schwächer. Die letzten zwei Tage fahren wir unter Maschine. 30 Seemeilen vor der Insel melden wir uns über UKW bei Bermuda Radio an. Der Operator stellt uns einige Fragen und heißt uns herzlich willkommen. In der Lagune steuern wir den Zollpier an um die Einreiseformalitäten zu erledigen. Nach dem wir acht Formulare ausgefüllt haben (z.B. wie viele Tote hatten sie auf der Überfahrt?!) bekommen wir endlich unseren Stempel in den Reisepass und sind offiziell in Bermuda.

Um einen Eindruck von den Inseln zu erhalten, fahren wir mit der Schnellfähre zum Dockyard, dem südlichen Zipfel. Anlegeplatz für die großen Kreuzfahrtschiffe und Austragungsort des Americas Cup im Vorjahr. Nach einem Spaziergang durch die historischen Gebäude nehmen wir den Bus Richtung Hamilton, der Hauptstadt. Das Land ist erstaunlich dicht besiedelt und die Architektur erinnert uns stark an Großbritannien. Nach einem kurzen Badestopp an einem schönen Strand, erreichen wir die Stadt. Wir kommen gerade richtig zum Feierabend und können die zahlreichen Schuluniformen bewundern. Auch die Businesskleidung kann sich sehen lassen. Der modische Geschäftsmann trägt bevorzugt rosa Bermuda(natürlich!)Shorts, blaue Kniestrümpfe und dazu schwarzes Jackett und Krawatte.

Der Ankerplatz in St. George ist voll. Es ist der zentrale Ausgangspunkt für die Atlantiküberquerung. Täglich kommen neue Boote an oder starten Richtung Azoren. Wir treffen einige alte Bekannte. Auch für uns läuft der Countdown. Viel Proviant brauchen wir glücklicherweise nicht mehr zu kaufen. Da so gut wie alles aus den USA importiert werden muss, sind die Preise astronomisch.

Für die 1700 Seemeilen bis Flores rechnen wir mit ungefähr einem Monat Segeln, da es aufgrund des Azorenhochs zu Flauten kommen kann. Wie wir diese Strecke gemeistert haben, erfahrt ihr im nächsten Bericht.

Bahamas- ein Traum in Türkis

Im kleinen Hafen von Matthew Town, Great Inagua, wird Sascha vom Zollbeamten mit dessen Pickup zum Einklarieren abgeholt. Da „Lotte“ so klein ist, zahlen wir „nur“ 150 Dollar, statt der üblichen 300 Dollar für das „Cruising Permit“. Nicht erst bei der Bürokratie fallen uns die außergewöhnlich netten und hilfsbereiten Menschen auf. Der Hafenmeister hat viele Tipps für uns und als wir, beladen mit Einkäufen, auf der Straße unterwegs sind, hält ein Auto an um uns mitzunehmen. Nach zwei Nächten zieht es uns weiter auf die Exumas.

Vom starken Wind ist das Meer noch aufgewühlt, als wir durch die Riffpassage Richtung George Town navigieren. Bis fast zu unserem Ankerplatz werden wir von einer Delfinmama mit Baby begleitet. Viele amerikanische Segler verbringen hier den Winter. Deshalb nimmt das Angebot an gemeinschaftlichen Aktivitäten im morgendlichen Funknetz schier kein Ende. Man hat die Auswahl zwischen Beachvolleyball, Wasseraerobic, Yoga, Poker, Quizspiel, Ukulelenkurs für Anfänger und Schnorchelausflügen. Am Ostersonntag findet ein „Potluck“ statt, an dem wir teilnehmen. Auf Tischen aus Treibholz wird ein Buffet aus mitgebrachten Speisen aufgebaut und jeder kann sich nach Herzenslust bedienen. Bei dieser Gelegenheit lernen wir noch andere deutsche Segler kennen. Nachdem wir am öffentlichen Wasserhahn unsere Tanks gefüllt haben und im örtlichen Supermarkt unsere Vorräte aufstocken konnten, sind wir bereit die zahlreichen „Cays“ der Exumas zu erforschen.

Eine unserer ersten Stationen ist „Black Point“. Als wir mit dem Dingi an den Steg rudern erwartet uns ein Gewimmel aus Haien, Stachelrochen, Schiffshaltern und Schildkröte. Wir entdecken auch gleich den Grund für diesen Auflauf. Die Fischer nehmen ihren Tagesfang aus und säubern ihn. Die Reste fliegen ins Meer und werden noch ehe sie den Grund erreichen von den vielen Mäulern weggeschnappt. Am „Pig Beach“ in Staniel Cay ist die riesige Sau „Mama Karma“ die Chefin. Weltweit bekannt wurden die schwimmenden Schweine durch eine Plakatwerbung eines Reiseveranstalters. Als wir uns mit dem Beiboot nähern, kommen uns die Tiere in freudiger Erwartung entgegen geschwommen, den Rüssel wie ein Schnorchel aus dem Wasser gereckt. Sie sind es gewohnt, von den zahlreichen Seglern und Touristen gefüttert zu werden. Dabei geht es nicht immer friedlich zu, wie die Bißwunde im Oberschenkel einer Frau zeigt.

Nur zehn Minuten entfernt liegt ein Orginalschauplatz des James Bond Films „Thunderball“. In einer Grotte hat 1965 Sean Connery alias 007 mehrere Atombomben entschärft. Wir warten auf Niedrigwasser um mit Schnorchelausrüstung und Gopro in die Höhle zu gelangen. Türkis schimmert das Wasser an den Wänden, zahlreiche Rifffische umkreisen uns und wie große Scheinwerfer strahlt das Sonnenlicht durch Öffnungen in der Decke. Wir sind so fasziniert, dass wir uns von dem Anblick gar nicht mehr losreißen können. Als das Wasser wieder steigt, wird es auch für uns Zeit, den Rückweg anzutreten.

Dicke, schwarze Wolken ziehen auf, als wir vor der Privatinsel von Johnny Depp, Little Halls Pond Cay, den Anker fallen lassen. Die Windböe, die uns trifft, ist so stark, das unser Dingi „Liese“ wie ein Drache in die Luft gehoben wird. Eine Sitzbank wirbelt herum, Sascha springt hinterher und kann sie gerade noch retten, bevor sie in den Weiten des Atlantiks verschwindet.

Am nächsten Tag strahlt die Sonne wieder vom blauen Himmel und wir schnorcheln durch paradiesische Unterwassergärten. Neben farbenprächtigen Korallen und zahlreichen Fischarten finden wir auch ein kleines Flugzeugwrack. Anschließend spielen wir noch lange auf den atemberaubend schönen Sandbänken und dem türkisfarbenem Wasser der Inseln. Kann es noch besser werden, denken wir, als uns der Wind weiter nach Waderick Wells treibt. Aber auch hier hat die Natur mit Schönheit nicht gegeizt. Auf markierten Pfaden erkunden wir die Mangrovenwälder und lernen von Informationstafeln viel über die hiesige Vegetation. Unterwegs können wir eine Schlange beobachten, die gerade eine Echse gefangen hat und die sie im ganzen herunterwürgt. Wir erreichen den höchsten Punkt der Insel, den Boo Boo Hill. Soll das etwa ein Scheiterhaufen sein? Nein, hier hinterlassen Segler ein Stück Treibholz mit dem Schiffsnamen, mehr oder weniger kunstvoll gestaltet. Zurück an Bord erregt ein gelbes Boot mit Dschunkenrigg unsere Aufmerksamkeit. Als es nahe an uns vorbeifährt, erkennen wir Asmat. Auf unserer letzten Reise, vor 13 Jahren, haben wir uns in Salvador, Brasilien kennengelernt. Wir laden ihn zum Abendessen an Bord ein und feiern unser Wiedersehen. Alte und neue Geschichten werden ausgetauscht. Auch unser nächster Stopp Shroud Cay hat natürlich ein Highlight zu bieten. Durch einen mangrovengesäumten Fluß gelangt man auf die Atlantikseite. Leider ist die Gezeit und der Wind gegen uns, als wir mit dem Ruderboot in den Fluß fahren. Als wir nach Stunden die andere Seite erreichen, werden wir mit einem Bilderbuchstrand belohnt. Thorben spielt mit Felix und Julia im weißen Sand. Daneben baut die Dienerschaft der Superreichen ein Picknick auf.

Normans Cay war in den 80er Jahren die Privatinsel von Carlos Lehder. Zusammen mit Pablo Escobar hat er das Medellin Kartell gegründet und die Insel als Zwischenlandeplatz für den Kokainschmuggel aus Kolumbien in die USA genutzt. Eine seiner Drogenmaschinen hat es nicht bis auf die Landebahn geschafft und musste notwassern. Da es nicht sehr tief liegt, haben wir viel Spaß beim Erkunden des imposanten Wracks.

Unser letzter Stopp in den Exumas ist Allens Cay. Auf den kleinen Inseln haben zahlreiche, endemische Leguane ihren Lebensraum. Zahm sind die großen Reptilien nicht, zeigen aber, wie auch die Vögel, keine Scheu vor Menschen. Die Szenerie erinnert uns an unseren Aufenthalt auf den Galapagos Inseln.

Über Funk holen wir uns von Habour Control Nassau die Genehmigung in den weitläufigen Hafenbereich einzulaufen. In der Hauptstadt der Bahamas möchten wir noch einmal einen Großeinkauf erledigen und die Wasser- und Dieseltanks füllen. Da Nassau keine schöne Ankermöglichkeit bietet, erledigen wir alles an einem Tag und verholen uns abends an den Strand vor Rose Island. Zur Zeit liegen wir bei Spanish Wells, Eleuthera. Schon zu Columbus Zeiten haben die Seeleute hier auf gutes Wetter für die Fahrt nach Europa gewartet. Für uns ist der nächste Stopp Bermuda. Wie die Überfahrt verlaufen ist, erfahrt ihr im nächsten Bericht.

Unsere Lotte steht zum Verkauf

Zum Verkauf steht unsere Golden Hind 31 „Lotte“. Anfang August 2018 beenden wir unsere Atlantikrunde und suchen einen neuen Eigner. Alles weitere findet ihr unter der Rubrik Bootsverkauf.

Luxus und Naturkatastrophen- Antigua und die BVI‘s

An unserem Ankerplatz Falmouth Habour, Antigua, sind wir umgeben von den Megayachten der Reichen und Superreichen der Welt. Tagsüber polieren die Crews die Luxusschiffe auf Hochglanz. Abends, wenn die Unterwasserbeleuchtung das Meer erhellt, werden auf dem Vordeck die Muskeln trainiert.

Ein Spaziergang führt uns zu „Nelsons Dockyard“, dem ehemaligen Amtssitz Admiral Nelsons. Heute beherbergen die liebevoll restaurierten Gebäude unter anderem ein Museum, die Bäckerei und das Marinabüro. Bänke unter schattenspendenden Bäumen laden zum Verweilen ein. Vor dieser prachtvollen Kulisse ist die Bühne der „Talisker Whiskey Atlantic Challenge“ aufgebaut. Nach 3600 Seemeilen erreichen die Atlantikruderer hier ihr Ziel. Auf La Gomera haben wir die Vorbereitung und den Start des vorherigen Rennens miterlebt. Mit der Hymne von Queen „We are the Champions“, roten Fackeln und unter tosendem Applaus laufen die Sportler ein. Bärtige Männer (und nichtbärtige Frauen) betreten nach ca. 60 Tagen auf See, noch etwas unsicher, festen Boden.Der spanische Teilnehmer versichert uns, daß er heilfroh sei angekommen zu sein und dieses Abenteuer nicht nochmal unternehmen möchte. Wir glauben ihm das aufs Wort.

Einen Nachttörn weiter erreichen wir St. Martin, die kleinste, in zwei Staaten geteilte, Insel. Unser Anker fällt in der Marigot Bay auf der französischen Seite. Häuser ohne Dächer, umgeknickte Straßenschilder, Autos mit Scheibenersatz aus Plastikfolie und unzählige Schiffswracks zeugen von der unglaublichen Zerstörungskraft des Hurrikans „Irma“. Wir sind sehr betroffen als wir durch die Straßen ziehen, auf der Suche nach Geschäften, die schon wieder geöffnet haben. Ein nahe gelegener, großer Supermarkt steht der Bevölkerung, frisch renoviert, zur Verfügung. Auch wir profitieren von der guten Versorgungsmöglichkeit und laden „Lotte“ noch mal ordentlich voll.

Gemeinsam mit der Familie von der „Luna“ fahren wir mit dem Minibus auf die niederländische Seite, zum Maho Beach. Berühmt ist der Strand nicht wegen seiner Kokospalmen, weißem Sand oder türkisfarbenem Wasser, sondern vielmehr wegen der Start- und Landebahn des Princess Juliaana Airport. Diese endet direkt am Wasser und ist mit knapp über 2000m extrem kurz. Die Piloten müssen sie sehr tief anfliegen, um die volle Länge nutzen zu können. Steht oder liegt man am Strand, sorgt dies für eine spektakuläre Aussicht. Den größeren Nervenkitzel bietet allerdings der Start der großen Jets. Sobald die Triebwerke Schub geben, wird man von Windgeschwindigkeiten in Sturmstärke gesandstrahlt oder gar ins Meer geschleudert. Da dies nicht ganz ungefährlich ist, es kam schon zu Todesfällen, halten wir uns knapp neben dem Abgasstrahl. Nicht nur für die Kinder Felix, Julia und Thorben ein ganz besonderes Abenteuer.

Die Strecke von St. Martin zu den British Virgin Islands (BVI) segeln wir mit Angelika und Jo von der „Magic Cloud“ und Katie und Johannes mit Kindern von der „Luna“ gemeinsam als Flotille. Über UKW-Funk tauschen wir die Segelbedingungen und Befindlichkeiten aus. Zeitgleich erreichen wir am nächsten Morgen den Ankerplatz von Virgin Gorda. Nachdem wir wieder ausgeschlafen sind, bauen wir das Segel an unserem Beiboot „Liese“ auf und segeln zu den „Baths“. Beeindruckende, rund geschliffene Felsbrocken säumen den Strand. Es scheint, als ob Riesen eine Partie Murmeln gespielt und nicht wieder aufgeräumt haben. Wie die „Piraten in der Karibik“ erkunden wir auf verschlungenen Wegen zahlreiche Höhlen. Den kleinen Seeräubern gefallen die versteckten Pools, die sich zwischen den Steinen gebildet haben, am besten.

Leider haben auch hier die beiden Hurrikane „Irma“ und „Maria“ ganze Arbeit geleistet. So sucht man vergeblich nach tropischen Palmen. Die Inseln wurden kahl gefegt und erst ganz langsam beginnt sich die Vegetation zu erholen. Allerorten werden Schuttberge abgetragen, Dächer gedeckt und Fassaden renoviert.

Inzwischen sind wir auf den Bahamas gelandet. Was wir hier in den nächsten Wochen erleben werden, erfahrt ihr im nächsten Bericht.

Martinique 2018

Seit fast zwei Jahren spielt sich Thorbens Leben ausschließlich auf dem Wasser ab. Kein Wunder also, das er sich für Boote und Bootsbau interessiert. Den kanadischen Kindern Simon und Wavey geht es genauso. Der elfjährige Simon hat schon einige Modelle entworfen und gebaut, die Thorben sehr bewundert. Die beiden nehmen sich viel Zeit und basteln mit Thorben zusammen ein Ruderboot aus Eisstielen. Es wird geklebt, geschliffen, gemalt und lackiert. Auch aus alten Plastikflaschen entstehen zweimastige Rahsegler. Zum Abschluß werden in der Uferbrandung die Schwimm- und Segeleigenschaften auf Herz und Nieren getestet.

Wie feiert man Weihnachten auf einer Yacht in der Karibik? Zusammen mit der Crew von „Blue Felix“ sind wir bei Jo auf der „Magic Cloud“ eingeladen. Während die Erwachsenen alles für das abendliche Grillen vorbereiten, springen die beiden Kinder Emilia und Thorben auf dem Trampolin des Katamarans. Zwischendurch kommt natürlich auch der Weihnachtsmann in Badehose vorbei. Es wird ein langer, gemütlicher Abend, bei dem so manches Seemannsgarn gesponnen wird.

„Welches Land feiert eigentlich als erstes Sylvester?“ Wir glauben, daß Martinique unschlagbar ist, denn hier findet das Feuerwerk schon am 30.12. statt! Gegen Abend füllt sich die Uferpromenade von Fort de France mit Menschen. Die Brass-Band spielt auf, Karussells drehen sich und an zahlreichen Buden kann man seinen Hunger stillen. Die Spannung steigt auf den Höhepunkt, bis über dem alten Fort ein spektakuläres Feuerwerk entzündet wird. Voller Begeisterung lassen wir die Choregrafie aus Licht und Musik auf uns wirken.

Der Gipfel des Mount Pelee ist in Wolken gehüllt, als unser Anker vor St. Pierre im Norden von Martinique fällt. Bis 1902 war der Ort das Zentrum der Insel. Dann legte ein Vulkanausbruch alles in Schutt und Asche. 30 000 Menschen starben durch eine Gas- und Feuerwalze. Einzig Überlebender war der Mörder Louis Cyparis, der im Gefängnis einsaß. Die dicken Wände haben ihn geschützt, so daß er mit schweren Verbrennungen davon kam. Tage später wurde er halb verhungert von einem Priester befreit. Alte Ruinen sind im Ortsbild überall sichtbar und man kann sogar noch in die Gefängniszelle kriechen, ein beklemmendes Gefühl.

Zum Ausgleich gehen wir am nächsten Tag in den Zoo. Über einen Holzbohlenweg spazieren wir durch ein zauberhaftes Tal. Anfangs noch parkähnlich gelangen wir über eine Hängebrücke in den dschungelartigen Teil. Die Tiergehege sind in die Landschaft integriert. Besonders gut gefällt uns das Schmetterlingshaus. In einer Ruine schwirren, zwischen Orchideen und anderen tropischen Pflanzen, die bunten Falter. Der König unter ihnen ist der handtellergroße, blauschimmernde, Morpho. Vor 12 Jahren haben wir einen halben Tag im Urwald von Französisch Guayana verbracht, um einen von ihnen zu fotografieren. Mit dem Ergebnis: unzählige Bilder von grünen Blättern und ein unscharfes mit zusammengeklappten Flügeln. Hier ist es bedeutend einfacher. Wir entdecken einen zusammengerollten, schlafenden Ameisenbär. Träumend zieht er seinen Schwanz vom Gesicht und für einen kurzen Moment können wir seine lange Schnauze mit dem winzigen Maul und der klebrigen Zunge sehen. Thorben hat viel Spaß mit den frechen, lauten Papageien. Unsere Nerven haben ganz schön zu leiden, da er noch den ganzen Abend das Geschrei imitiert.

Wofür ist die Karibik bekannt? Natürlich Rum! Deshalb wird es Zeit, daß wir ein Destillerie besuchen. Wir laufen vorbei an kilometerlangen Zuckerrohrplantagen bis wir die Zufahrt zu „Depaz Rhum“ erreichen. Bei einem Rundgang können wir uns die einzelnen Phasen des Herstellungsprozesses genau anschauen. Die gesamte Anlage wird von einer großen, 350 PS starken, Dampfmaschine angetrieben. Da Thorben eine Leidenschaft für Dampfmaschinen hat, steht er staunend vor der archaischen Technik. Als Brennstoff dienen die ausgepressten Zuckerrohrstangen und die Hitze wird zudem zum Destillieren benutzt. Bei der abschließenden Verköstigung zieht es uns fast die Schuhe aus! Fröhlich und mit leichtem Seemannsgang machen wir uns auf den Weg nach Hause.

Da waren sich alle immer einig, Dominica ist die Perle der Karibik. Leider hat der Hurrikan „Maria“ die Insel total zerstört. Aus diesem Grund fällt dort unser Anker nicht und wir segeln direkt nach Marie Galante. Die flache Insel hat für uns nicht allzu viel zu bieten, weshalb uns schon nach zwei Tagen die Iles des Saintes locken. Bei einigen Spaziergängen genießen wir die Panoramen der bezaubernden Inselgruppe. Die Sicht reicht von Dominica bis nach Guadeloupe, unser nächstes Ziel. Wie es dort weitergeht erfahrt ihr im nächsten Bericht.

SVG- St. Vincent and the Grenadines

Der Anstieg ist sehr steil und extrem rutschig. An den Bäumen, an denen man sich festhalten könnte, sitzen leider immer wieder giftige Tausendfüßler. Als wir den Gipfel des „Chapeau Caree“ auf der kleinen Insel Carriacou erreichen, werden wir jedoch für alle Strapazen entschädigt. Die Aussicht auf die Tyrell Bay und die umliegenden Inseln ist grandios.

Nach drei Monaten in der Prickly Bay, Grenada, brechen wir, zu neuen Abenteuern auf. An Carriacou gefällt uns nicht nur die gute Aussicht, sondern auch der Ankerplatz „Sandy Island“. An der mit Palmen bewachsenen Sandbank schnorcheln wir durch bezaubernde Korallengärten und Thorben hat viel Spaß damit, Einsiedlerkrebse um die Wette laufen zu lassen.

Das hatten wir noch nie, am selben Tag in einem Land ausklarieren und im nächsten Land wieder einklarieren. Mit Carriacou verlassen wir Grenada und nach nur sieben Seemeilen fällt der Anker in Union Island, das zu St. Vincent and the Grenadines gehört. Über Funk hören wir, daß unsere Freunde von der „Beluga“ ganz in der Nähe sind. So beschließen wir zu den Tobago Cays zu segeln, damit Thorben seinen Freund Fritz wiedersehen kann. Die Tobago Cays sind einige kleine Inseln, die von einem hufeisenförmigen Riff umgeben sind. Drei Tage bleiben wir, und freuen uns darüber mit den zahlreichen Schildkröten durch das glasklare Wasser zu tauchen.

Über Petit St. Vincent und Petite Martinique segeln wir zurück nach Union in die Chatham Bay. In der von grünen Hügeln umgebene Bucht feiern wir Thorbens sechsten Geburtstag. Leider gibt es hier keine Gäste für Kaffee und Kuchen. Beim Spielen mit den Geschenken vergeht die Zeit auch so wie im Flug.

Bequia, die letzte Insel der Grenadinen, entpuppt sich als Perle der Karibik. Wie auf einem See ankern wir vor dem Paradise Beach. Mit türkisem Wasser und weißem Sandstrand trägt er seinen Namen zu recht. Im Ort führt direkt am Wasser ein schmaler Fußweg vorbei an vielen, mit Liebe fürs Detail gestalteten, Cafes und Restaurants. Besonders imposant sind die Wahlknochen im „Whaleboners“. Leider wird hier pro Jahr noch etwa ein Buckelwal aus traditionellen Gründen gejagt und getötet.

In wenigen Tagen erreichen die Segler des Minitransat das Ziel in Martinique. Das Minitransat ist ein Einhandrennen von La Rochelle über die Kanaren und Kapverden bis nach Martinique. Das Besondere dabei; die hochgezüchteten Rennmaschinen sind nur 6,50 m lang! Amrei hat einen der vier deutschen Teilnehmer beim Kurs „Medizin auf See“ kennengelernt. Wir wollen natürlich die Ankunft von Andreas Deubel miterleben! Hinter zwei Minitransat Booten überqueren wir die Ziellinie in Le Marin und sogar für uns wird das Nebelhorn betätigt. In der Marina bekommen wir einen Liegeplatz in der Nähe des Ankuftsteges, so sind wir mitten im Geschehen. Jeder ankommende Teilnehmer wird jubelnd, mit Musik, empfangen, Sektkorken knallen, anschließend wird er zum traditionellen Bad ins Hafenwasser geschmissen. Danach folgen Fernseh- und Presseinterviews. Andreas ist für acht Uhr morgens angekündigt. Einer Vorahnung folgend sind wir um kurz nach sieben auf dem Steg und ein paar Minuten später ist er schon da. Das ist gerade noch mal gut gegangen. In 18 Tagen hat er die Strecke von den Kanaren bis nach Martinique geschafft. Herzlichen Glückwunsch! Noch ganz unter dem Eindruck des Rennens, schildert er seine Erlebnisse und zeigt uns sein Boot.

Gregoire und Delphine, die wir auf den Balearen kennengelernt haben, arbeiten auf Martinique und leihen uns ihr Auto. Das nutzen wir und füllen jeden verfügbaren Platz im Bauch der Lotte mit Lebensmitteln auf.

Nach 10 Tagen in der Marina zieht es uns wieder zu den schönen Stränden in den Grenadinen. Zurück auf Bequia führt uns ein Ausflug zu der Schildkrötenaufzuschtstation. Die bedrohten „Hawksbill-Schildkröten“ verbringen die ersten sechs Jahre ihres Lebens in verschiedenen Becken und werden von „Brother King“ mit Thunfisch aus der Dose großgezogen. Danach werden sie in die Freiheit entlassen. Für diese wichtige Aufgabe bekommt er keine Unterstützung von der Regierung – schade! Bis heute hat der 79 jährige über 900 Tiere ausgesetzt.

„Agape, diesen Bootsnamen kennen wir doch!“ Mit der Besatzung eines norwegischen Bootes namens „Agape“ haben vor 11 Jahren eine schöne Zeit auf Bonaire und den San Blas Inseln verbracht. Die Freude ist riesig, als wir Eli und Oystein wiedertreffen. So klein ist die Welt der Blauwassersegler! An diesem Abend frischen wir zusammen viele alte Erinnerungen auf und planen einen Besuch in Norwegen.

Wie auch einige unserer Freunde, wollen wir das Weihnachtsfest auf Martinique verbringen. Wie es dort weiter geht erfahrt ihr im nächsten Bericht.

Grenada- Spice Island

Ende Juli erreichen wir Grenada. Schon auf den ersten Blick unterscheidet es sich deutlich von Tobago. Auf unseren zahlreichen Ausflügen lernen wir die Insel genauer kennen. Nach einer einstündigen Busfahrt erreichen wir den Ort Victoria. Dort versteckt sich, eingebettet zwischen Bananenstauden, Muskatnuß- und Kakaobäumen, ein schönes Gebäude – die Schokoladenmanufaktur. Wir werden schon erwartet, in der Plantage bei den Kakaofrüchten beginnt eine interessante Führung für uns, es wird der Herstellungsprozess erläutert und am Ende steht die Schokoladenverköstigung, bei der nicht nur die beiden Kinder Fritz und Thorben kräftig zulangen.

Auf schlammigen Pfaden, durch dichtes Grün und über reißende Bäche erkunden wir den Dschungel und die Wasserfälle von Grenada. Überall entdecken wir bekannte und unbekannte Früchte wie: Papayas, Bananen, Ananas, Guave, Love Apples, Limetten und viele mehr. Da wir mit einer Gruppe von Seglern unterwegs sind, weiß immer jemand über die Flora bescheid. Bei einem Sundowner, begleitet von Livemusik, lassen wir den Tag in der Tikibar ausklingen.

Seit Monaten sind wir schon gespannt auf das Treffen mit Brett und Fran. Die beiden haben wir während unserer ersten Segelreise vor 12 Jahren in Brasilien kennengelernt. Sie haben sich damals auf Grenada niedergelassen und ein Unternehmen gegründet. Die Wiedersehensfreude ist groß und Thorben spielt mit Tochter Jade, die in ähnlichem Alter ist.

Leider haben wir auch wieder mal eine lange Arbeitsliste: neue Sitzbretter für Liese, unser Dingi, eine neue Sprayhood für Lotte, frischer Lack für die Holzteile und neues Antifouling gegen den ständigen Bewuchs.

Ebenfalls in der Karibik, aber weit genug entfernt, fegen derweil die Hurrikane Irma und Maria über die Inseln hinweg. In einigen Gegenden, wie z.B. Dominica, richten sie großen Schaden an. Auf Grenada stehen überall Spendenboxen, in denen die am dringst benötigten Dinge gesammelt werden. Gebraucht wird einfach alles, von Lebensmitteln, über Dieselfässer bis hin zu Holz und Nägel. Eine Seglerin organisiert ein Benefizkonzert mit lokalen Gruppen und Seglerbands. An dem geselligen Abend kommen 10000 EC Dollar Spenden zusammen!

Sonntag Mittag bekommt Sascha heftige Bauchschmerzen, die schnell unerträglich stark werden. Da sie vor allem im rechten Unterbauch sind, haben wir die Befürchtung, daß es der Blinddarm ist. Wir müssen ins Krankenhaus. Nur zieht leider gerade ein starker Squall über den Ankerplatz, rudern unmöglich! Über Funk rufen wir Onni von der Yacht Elonnisa der uns mit seinem Motordingi schnell an Land bringt. Die Coastguard bringt uns dankenswerterweise in das General Hospital. Die Notaufnahme hat Dritte-Welt-Standard, dreckig, alte verrostetet Gerätschaften, kalt wie ein Kühlschrank. Röntgenbilder gibt es nur gegen Vorkasse, das Geld steckt der Radiologe verbotener- weise gleich selbst ein, wie wir später erfahren werden. Nach gründlicher ärztlicher Untersuchung, stellt sich heraus, das es sich wohl um einen Nierenstein handelt. Sascha muss eine Nacht zur Beobachtung dableiben und wird am nächsten Tag wieder entlassen. Auf Martinique, dort erhoffen wir uns einen besseren medizinischen Standard, wollen wir noch eine Ultraschalluntersuchung machen lassen.

Mitte Oktober soll es für uns weitergehen, zunächst nach Carriacou, eine Insel die noch zu Grenada gehört, über die Grenadinen (St. Vincent), Bequia, St. Lucia bis nach Martinique.

Was wir dabei so erleben, erfahrt ihr im nächsten Bericht.

 

Hurrikan – Zeit

Am 1. Juni beginnt die Hurrikansaison in der Karibik. Eigentlich liegt Tobago ausserhalb der Zugbahnen der verherenden Stuerme. Der taegliche Wettercheck beim amerikanischen Hurrikan Zentrum in Miami ist trotzdem Pflicht. Zunaechst zeigt die Wetterkarte eine Passatstoerung auf Hoehe der Kapverdischen Inseln. Im Laufe der naechsten Tage entwickelt sich eine tropische Depression, daraus wird schliesslich ein ausgewachsener tropischer Sturm mit dem Namen “Bret”. Die vorausberechnete Zugbahn verlaeuft genau ueber Tobago. Die Windvorhersagen fuer die Nacht von Montag auf Dienstag liegen bei moderaten 20 Knoten bis hin zu gefaehrlichen 80 Knoten, je nach Vorhersagemodell.

Die Nachbarschiffe auf unserem Ankerplatz verlassen die Insel Richtung Trinidad. Wir verziehen uns in ein sog. “Hurricane hole”, eine Lagune die fast vollstaendig von Mangroven umgeben ist und einen sehr guten Schutz bietet. Stuendlich beobachten wir das Satellitenbild. Am Ende haben wir Glueck und der Hauptkern zieht ueber Trinidad und wir bekommen nur viel Regen mit einigen staerkeren Windboeen ab. Nachdem sich das Wetter und die See beruhigt haben verholen wir uns am uebernaechsten Tag zurueck in die Storebay.

Zur Abwechslung haben wir uns fuer einen Tag ein Auto gemietet. Die ersten Kilometer ist das Linksfahren noch ungewohnt. Doch bei der defensiven Fahrweise der Tobaganer findet sich Sascha schnell zurecht. Wir erkunden die kleinen Ortschaften und wunderschoenen Buchten der Insel. Unser Favorit ist die Englishmansbay, menschenleer und eingerahmt von Palmen und Huegeln. Andere Touristen sehen wir so gut wie keine. Bevor wir das Auto abgeben muessen, nutzen wir es noch fuer einen Grosseinkauf beim Inselsupermarkt “Penny Savers”.

Naechste Woche segeln wir nach Grenada. Wie es dort weitergeht erfahrt ihr im naechsten Bericht.

 

Tobago – Liming on d’beach

Reggae an jeder Ecke, laessige Rastas, klares Wasser und Sonnenschein, das ist Tobago. “Liming” (deutsch: abhaengen, nichts tuen) ist Freizeitvergnuegen Nummer eins. Das haben auch wir schnell drauf!

Meistens verbringen wir den halben Tag am Strand, wo Thorben nach Herzenslust Schaetze suchen oder im Wasser plantschen kann. Sein neuster Wunsch: ein Metalldetektor. Die Eltern erfreuen sich beim Schnorcheln an den vielen bunten Rifffischen. Damit Thorben auch an der Unterwasserwelt teilhaben kann, machen wir einen Ausflug mit dem Glasbodenboot ins Buccoreef und zum Nylonpool.

Leider gibt es auch noch die alltaeglichen Pflichten. Im Boot wartet ein Berg Waesche auf eine Waschmaschine, alles in den Seesack stopfen, zum Strand rudern, zur Waescherei tragen, falten und wegraeumen und schon wieder ist ein halber Tag weg. Um einzukaufen laufen wir ca. 4 km bis zum Supermarkt mit Zwischenstopp auf dem Spielplatz. Auf dem Rueckweg, mit allen Einkaeufen, halten wir ein Auto an, was hier weniger als eine halbe Minute dauert. Unterwegs werden noch freie Plaetze aufgefuellt. Jede Person bezahlt einen festgesetzten Betrag fuer die jeweilige Strecke. Bis zur Lotte kostet es uns ca. 1 Euro. Fliessendes Wasser haben wir natuerlich nicht an Bord. Alles was wir brauchen muessen wir muehsam, von einem oeffentlichen Wasserhahn, in Kanistern zur Lotte rudern und in die Tanks fuellen.

Ein grosser, dunkler Schatten taucht aus der Brandung auf. Langsam schiebt sich der Koloss auf den Strand, macht eine kurze Verschaufpause, und bewegt sich weiter. Uns stellen sich alle Haaerchen auf. Wir sind in die Bucht von Plymouth gesegelt. Hier legen die Lederschildkroeten in den Vollmondnaechten zwischen Mai und Juli ihre Eier ab. Es ist 21:30 Uhr, Thorben ist muede. Zweimal schon haben wir den gesammten Strand abgesucht, doch nur alte Spuren entdeckt. Gerade wollen wir uns auf den Rueckweg machen, als Amrei die dunklen Umrisse eines Tieres, in den Wellen wahrnimmt. Schnell ist ein Ranger zur Stelle, der uns mit seiner roten Lampe zeigt, von wo aus wir das Schauspiel am besten beobachten koennen. Waehrend die Schildkroete muehsam ein Loch in den Sand buddelt, wird sie indentifiziert und ausgemessen. Das Reptil ist 2,5 m lang und ca. 700 kg schwer. Mit ihren riesigen Vorderflossen laesst sie den Sand in alle Richtungen fliegen. Als die Schildkroete mit der Eiablage beginnt, hebt der Ranger vorsichtig eine Hinterflosse an und wir haben einen ungestoerten Blick wie 50-100 weisse Eier in die Kuhle plumpsen. Ebenso sorgfaelltig wie das Loch gebuddelt wurde, wird es auch wieder zugeschuettet. Doch bevor es zurueck in ihren angestammten Lebensraum geht, werden noch saemtliche Spuren verwischt. Nach eineinhalb Stunden verschwindet sie wieder in den Wellen.

Ende Juli moechten wir nach Grenada segeln, wie es dort weitergeht erfahrt ihr im naechsten Bericht.