Bahamas- ein Traum in Türkis

Im kleinen Hafen von Matthew Town, Great Inagua, wird Sascha vom Zollbeamten mit dessen Pickup zum Einklarieren abgeholt. Da „Lotte“ so klein ist, zahlen wir „nur“ 150 Dollar, statt der üblichen 300 Dollar für das „Cruising Permit“. Nicht erst bei der Bürokratie fallen uns die außergewöhnlich netten und hilfsbereiten Menschen auf. Der Hafenmeister hat viele Tipps für uns und als wir, beladen mit Einkäufen, auf der Straße unterwegs sind, hält ein Auto an um uns mitzunehmen. Nach zwei Nächten zieht es uns weiter auf die Exumas.

Vom starken Wind ist das Meer noch aufgewühlt, als wir durch die Riffpassage Richtung George Town navigieren. Bis fast zu unserem Ankerplatz werden wir von einer Delfinmama mit Baby begleitet. Viele amerikanische Segler verbringen hier den Winter. Deshalb nimmt das Angebot an gemeinschaftlichen Aktivitäten im morgendlichen Funknetz schier kein Ende. Man hat die Auswahl zwischen Beachvolleyball, Wasseraerobic, Yoga, Poker, Quizspiel, Ukulelenkurs für Anfänger und Schnorchelausflügen. Am Ostersonntag findet ein „Potluck“ statt, an dem wir teilnehmen. Auf Tischen aus Treibholz wird ein Buffet aus mitgebrachten Speisen aufgebaut und jeder kann sich nach Herzenslust bedienen. Bei dieser Gelegenheit lernen wir noch andere deutsche Segler kennen. Nachdem wir am öffentlichen Wasserhahn unsere Tanks gefüllt haben und im örtlichen Supermarkt unsere Vorräte aufstocken konnten, sind wir bereit die zahlreichen „Cays“ der Exumas zu erforschen.

Eine unserer ersten Stationen ist „Black Point“. Als wir mit dem Dingi an den Steg rudern erwartet uns ein Gewimmel aus Haien, Stachelrochen, Schiffshaltern und Schildkröte. Wir entdecken auch gleich den Grund für diesen Auflauf. Die Fischer nehmen ihren Tagesfang aus und säubern ihn. Die Reste fliegen ins Meer und werden noch ehe sie den Grund erreichen von den vielen Mäulern weggeschnappt. Am „Pig Beach“ in Staniel Cay ist die riesige Sau „Mama Karma“ die Chefin. Weltweit bekannt wurden die schwimmenden Schweine durch eine Plakatwerbung eines Reiseveranstalters. Als wir uns mit dem Beiboot nähern, kommen uns die Tiere in freudiger Erwartung entgegen geschwommen, den Rüssel wie ein Schnorchel aus dem Wasser gereckt. Sie sind es gewohnt, von den zahlreichen Seglern und Touristen gefüttert zu werden. Dabei geht es nicht immer friedlich zu, wie die Bißwunde im Oberschenkel einer Frau zeigt.

Nur zehn Minuten entfernt liegt ein Orginalschauplatz des James Bond Films „Thunderball“. In einer Grotte hat 1965 Sean Connery alias 007 mehrere Atombomben entschärft. Wir warten auf Niedrigwasser um mit Schnorchelausrüstung und Gopro in die Höhle zu gelangen. Türkis schimmert das Wasser an den Wänden, zahlreiche Rifffische umkreisen uns und wie große Scheinwerfer strahlt das Sonnenlicht durch Öffnungen in der Decke. Wir sind so fasziniert, dass wir uns von dem Anblick gar nicht mehr losreißen können. Als das Wasser wieder steigt, wird es auch für uns Zeit, den Rückweg anzutreten.

Dicke, schwarze Wolken ziehen auf, als wir vor der Privatinsel von Johnny Depp, Little Halls Pond Cay, den Anker fallen lassen. Die Windböe, die uns trifft, ist so stark, das unser Dingi „Liese“ wie ein Drache in die Luft gehoben wird. Eine Sitzbank wirbelt herum, Sascha springt hinterher und kann sie gerade noch retten, bevor sie in den Weiten des Atlantiks verschwindet.

Am nächsten Tag strahlt die Sonne wieder vom blauen Himmel und wir schnorcheln durch paradiesische Unterwassergärten. Neben farbenprächtigen Korallen und zahlreichen Fischarten finden wir auch ein kleines Flugzeugwrack. Anschließend spielen wir noch lange auf den atemberaubend schönen Sandbänken und dem türkisfarbenem Wasser der Inseln. Kann es noch besser werden, denken wir, als uns der Wind weiter nach Waderick Wells treibt. Aber auch hier hat die Natur mit Schönheit nicht gegeizt. Auf markierten Pfaden erkunden wir die Mangrovenwälder und lernen von Informationstafeln viel über die hiesige Vegetation. Unterwegs können wir eine Schlange beobachten, die gerade eine Echse gefangen hat und die sie im ganzen herunterwürgt. Wir erreichen den höchsten Punkt der Insel, den Boo Boo Hill. Soll das etwa ein Scheiterhaufen sein? Nein, hier hinterlassen Segler ein Stück Treibholz mit dem Schiffsnamen, mehr oder weniger kunstvoll gestaltet. Zurück an Bord erregt ein gelbes Boot mit Dschunkenrigg unsere Aufmerksamkeit. Als es nahe an uns vorbeifährt, erkennen wir Asmat. Auf unserer letzten Reise, vor 13 Jahren, haben wir uns in Salvador, Brasilien kennengelernt. Wir laden ihn zum Abendessen an Bord ein und feiern unser Wiedersehen. Alte und neue Geschichten werden ausgetauscht. Auch unser nächster Stopp Shroud Cay hat natürlich ein Highlight zu bieten. Durch einen mangrovengesäumten Fluß gelangt man auf die Atlantikseite. Leider ist die Gezeit und der Wind gegen uns, als wir mit dem Ruderboot in den Fluß fahren. Als wir nach Stunden die andere Seite erreichen, werden wir mit einem Bilderbuchstrand belohnt. Thorben spielt mit Felix und Julia im weißen Sand. Daneben baut die Dienerschaft der Superreichen ein Picknick auf.

Normans Cay war in den 80er Jahren die Privatinsel von Carlos Lehder. Zusammen mit Pablo Escobar hat er das Medellin Kartell gegründet und die Insel als Zwischenlandeplatz für den Kokainschmuggel aus Kolumbien in die USA genutzt. Eine seiner Drogenmaschinen hat es nicht bis auf die Landebahn geschafft und musste notwassern. Da es nicht sehr tief liegt, haben wir viel Spaß beim Erkunden des imposanten Wracks.

Unser letzter Stopp in den Exumas ist Allens Cay. Auf den kleinen Inseln haben zahlreiche, endemische Leguane ihren Lebensraum. Zahm sind die großen Reptilien nicht, zeigen aber, wie auch die Vögel, keine Scheu vor Menschen. Die Szenerie erinnert uns an unseren Aufenthalt auf den Galapagos Inseln.

Über Funk holen wir uns von Habour Control Nassau die Genehmigung in den weitläufigen Hafenbereich einzulaufen. In der Hauptstadt der Bahamas möchten wir noch einmal einen Großeinkauf erledigen und die Wasser- und Dieseltanks füllen. Da Nassau keine schöne Ankermöglichkeit bietet, erledigen wir alles an einem Tag und verholen uns abends an den Strand vor Rose Island. Zur Zeit liegen wir bei Spanish Wells, Eleuthera. Schon zu Columbus Zeiten haben die Seeleute hier auf gutes Wetter für die Fahrt nach Europa gewartet. Für uns ist der nächste Stopp Bermuda. Wie die Überfahrt verlaufen ist, erfahrt ihr im nächsten Bericht.

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