Bermuda-Azoren

Ausklarieren, die letzten Bermuda Dollar ausgeben und wir sind fertig zur Abfahrt. Dann kommt Johannes von der „Luna“ mit dem neusten Wetterbericht, ein dickes Tief bildet sich über dem Atlantik und bringt viel Wind. Da wir da nicht reingeraten wollen, verschieben wir unseren Start um eine Woche und fühlen uns ziemlich ausgebremst. So können wir noch den „Bermuda Day“, den Nationalfeiertag, mitbekommen. Schattenspendende Zeltpavillions säumen die Straßen der Hauptstadt. Beim Warten auf die große Parade werden wir prompt von unseren Nachbarn zu Rumpunsch und Kuchen eingeladen. Wir genießen die lockere Art der Bermudianer während die einzelnen Gruppen vorbei defilieren. Eine Woche später verschwindet die Silhouette von Bermuda in unserem Kielwasser. Keine 20 Minuten später gibt es einen Alarm vom Autopilot. Er kann den Kurs nicht halten. Sascha zerlegt ihn, fettet alles neu ein und baut ihn wieder zusammen. Die lange Strecke wollen wir nicht von Hand steuern. Zusammen mit der Windfahnensteuerung und ein paar Gummibändern können wir die Lotte auf Kurs bringen. Der Himmel verdunkelt sich, Wind und Wellen nehmen kräftig zu. Es wird ungemütlich als ein Tiefdruckgebiet über uns hinweg zieht. Nach Regen kommt Sonne, leider ist aber jetzt der Wind weg. Wir starten den Motor und staunen nicht schlecht, das wir nur 2,5 kn Fahrt machen (normalerweise 4,5 kn). Wir sind in eine starke Strömung geraten, die uns in wilden Kringeln und Schleifen durch die Gegend schiebt. Neben uns im Wasser entdecken wir einen blauen Schimmer, der sich bei genauerem Hinsehen als ein Schwarm Doraden entpuppt. Die schönen Fische begleiten uns fast den ganzen Tag. Immer wieder kommen auch Delfine zu einer kurzen Stippvisite vorbei. Zum ersten Mal auf unseren Reisen treffen wir andere Segelboote auf See. Wir fotografieren uns gegenseitig und halten einen kurzen Plausch über Funk, eine schöne Abwechslung. In der letzten Woche werden wir mit schönstem Segelwetter für alle vorangegangen Strapazen belohnt. Am Morgen des 21. Tages ist Lotte ein paar Meilen vor Flores. Beim Starten des Motors entdecken wir zu unserem Entsetzten eine lange Kunststoffleine, die wir hinter uns herziehen. Eine Unterwasserüberprüfung mit der Kamera zeigt: sie ist um den Propeller gewickelt. Schnell springt Sascha, mit einem Messer bewaffnet, ins kalte Wasser und schneidet die Leine los. Erleichtert fahren wir in den kleinen Hafen von Lajes das Flores ein. Ganz erstaunt sind wir, dass wir fast alle Boote im Hafen kennen. Die Fahrtenseglergemeinde ist halt wie ein kleines Dorf.

Nachdem wir ausgeschlafen sind, mieten wir für zwei Tage ein Auto und erkunden die atemberaubende Landschaft der kleinen Azoreninsel. Auf blütengesäumten Straßen fahren wir zu zahlreichen Calderen und Wasserfällen. In einer kleinen Bar fiebern wir mit der Deutschen Mannschaft gegen Schweden (mehr brauchen wir dazu nicht zu schreiben). Unser nächster Anlaufpunkt in den Azoren ist Horta auf Faial. Für alle Fahrtensegler ein berühmter Ort. Es soll Unglück bringen, wenn man sich nicht mit seinem Logo auf der Hafenmole verewigt. So zieren unzählige Gemälde die Mauern und Wege um den Hafen. Ein anderes Muss ist ein Besuch in Peter‘s Cafe Sport. Seit 1918 haben hier alle großen Segler der Welt ihren Kaffee getrunken und einen Wimpel hinterlassen.

Jetzt warten wir sehnsüchtig auf gutes Wetter um nach Cherbourg zu segeln, da wir Anfang August wieder zu Hause sein wollen. Wie es uns auf unserem letzten Abschnitt ergangen ist, erfahrt ihr im nächsten Bericht.

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