Bermuda

Der Wind pfeift uns in Sturmstärke um die Ohren, Salzwasser rauscht über das Deck und Wellen krachen gegen die Bordwand. Eingepackt in Ölzeug trotzen wir den Elementen. Als wir in Spanish Wells, Bahamas die Segel setzten, schien noch die Sonne von einem wolkenlosen Himmel. Drei Tage hält das Mistwetter an. In der Kajüte ist alles nass und wir haben schon fast Schwimmhäute. Über Funk hören wir das sich das Wetter bessern soll und tatsächlich scheint am 4. Tag die Sonne auf „Lotte“. Nach dem Abendessen, bekommen wir Besuch von einer Schule Delfine. Noch lange stehen wir am Bug und schauen dem ausgelassenen Spiel der eleganten Tiere zu. Mit dem guten Wetter wird leider auch der Wind schwächer. Die letzten zwei Tage fahren wir unter Maschine. 30 Seemeilen vor der Insel melden wir uns über UKW bei Bermuda Radio an. Der Operator stellt uns einige Fragen und heißt uns herzlich willkommen. In der Lagune steuern wir den Zollpier an um die Einreiseformalitäten zu erledigen. Nach dem wir acht Formulare ausgefüllt haben (z.B. wie viele Tote hatten sie auf der Überfahrt?!) bekommen wir endlich unseren Stempel in den Reisepass und sind offiziell in Bermuda.

Um einen Eindruck von den Inseln zu erhalten, fahren wir mit der Schnellfähre zum Dockyard, dem südlichen Zipfel. Anlegeplatz für die großen Kreuzfahrtschiffe und Austragungsort des Americas Cup im Vorjahr. Nach einem Spaziergang durch die historischen Gebäude nehmen wir den Bus Richtung Hamilton, der Hauptstadt. Das Land ist erstaunlich dicht besiedelt und die Architektur erinnert uns stark an Großbritannien. Nach einem kurzen Badestopp an einem schönen Strand, erreichen wir die Stadt. Wir kommen gerade richtig zum Feierabend und können die zahlreichen Schuluniformen bewundern. Auch die Businesskleidung kann sich sehen lassen. Der modische Geschäftsmann trägt bevorzugt rosa Bermuda(natürlich!)Shorts, blaue Kniestrümpfe und dazu schwarzes Jackett und Krawatte.

Der Ankerplatz in St. George ist voll. Es ist der zentrale Ausgangspunkt für die Atlantiküberquerung. Täglich kommen neue Boote an oder starten Richtung Azoren. Wir treffen einige alte Bekannte. Auch für uns läuft der Countdown. Viel Proviant brauchen wir glücklicherweise nicht mehr zu kaufen. Da so gut wie alles aus den USA importiert werden muss, sind die Preise astronomisch.

Für die 1700 Seemeilen bis Flores rechnen wir mit ungefähr einem Monat Segeln, da es aufgrund des Azorenhochs zu Flauten kommen kann. Wie wir diese Strecke gemeistert haben, erfahrt ihr im nächsten Bericht.

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