Martinique 2018

Seit fast zwei Jahren spielt sich Thorbens Leben ausschließlich auf dem Wasser ab. Kein Wunder also, das er sich für Boote und Bootsbau interessiert. Den kanadischen Kindern Simon und Wavey geht es genauso. Der elfjährige Simon hat schon einige Modelle entworfen und gebaut, die Thorben sehr bewundert. Die beiden nehmen sich viel Zeit und basteln mit Thorben zusammen ein Ruderboot aus Eisstielen. Es wird geklebt, geschliffen, gemalt und lackiert. Auch aus alten Plastikflaschen entstehen zweimastige Rahsegler. Zum Abschluß werden in der Uferbrandung die Schwimm- und Segeleigenschaften auf Herz und Nieren getestet.

Wie feiert man Weihnachten auf einer Yacht in der Karibik? Zusammen mit der Crew von „Blue Felix“ sind wir bei Jo auf der „Magic Cloud“ eingeladen. Während die Erwachsenen alles für das abendliche Grillen vorbereiten, springen die beiden Kinder Emilia und Thorben auf dem Trampolin des Katamarans. Zwischendurch kommt natürlich auch der Weihnachtsmann in Badehose vorbei. Es wird ein langer, gemütlicher Abend, bei dem so manches Seemannsgarn gesponnen wird.

„Welches Land feiert eigentlich als erstes Sylvester?“ Wir glauben, daß Martinique unschlagbar ist, denn hier findet das Feuerwerk schon am 30.12. statt! Gegen Abend füllt sich die Uferpromenade von Fort de France mit Menschen. Die Brass-Band spielt auf, Karussells drehen sich und an zahlreichen Buden kann man seinen Hunger stillen. Die Spannung steigt auf den Höhepunkt, bis über dem alten Fort ein spektakuläres Feuerwerk entzündet wird. Voller Begeisterung lassen wir die Choregrafie aus Licht und Musik auf uns wirken.

Der Gipfel des Mount Pelee ist in Wolken gehüllt, als unser Anker vor St. Pierre im Norden von Martinique fällt. Bis 1902 war der Ort das Zentrum der Insel. Dann legte ein Vulkanausbruch alles in Schutt und Asche. 30 000 Menschen starben durch eine Gas- und Feuerwalze. Einzig Überlebender war der Mörder Louis Cyparis, der im Gefängnis einsaß. Die dicken Wände haben ihn geschützt, so daß er mit schweren Verbrennungen davon kam. Tage später wurde er halb verhungert von einem Priester befreit. Alte Ruinen sind im Ortsbild überall sichtbar und man kann sogar noch in die Gefängniszelle kriechen, ein beklemmendes Gefühl.

Zum Ausgleich gehen wir am nächsten Tag in den Zoo. Über einen Holzbohlenweg spazieren wir durch ein zauberhaftes Tal. Anfangs noch parkähnlich gelangen wir über eine Hängebrücke in den dschungelartigen Teil. Die Tiergehege sind in die Landschaft integriert. Besonders gut gefällt uns das Schmetterlingshaus. In einer Ruine schwirren, zwischen Orchideen und anderen tropischen Pflanzen, die bunten Falter. Der König unter ihnen ist der handtellergroße, blauschimmernde, Morpho. Vor 12 Jahren haben wir einen halben Tag im Urwald von Französisch Guayana verbracht, um einen von ihnen zu fotografieren. Mit dem Ergebnis: unzählige Bilder von grünen Blättern und ein unscharfes mit zusammengeklappten Flügeln. Hier ist es bedeutend einfacher. Wir entdecken einen zusammengerollten, schlafenden Ameisenbär. Träumend zieht er seinen Schwanz vom Gesicht und für einen kurzen Moment können wir seine lange Schnauze mit dem winzigen Maul und der klebrigen Zunge sehen. Thorben hat viel Spaß mit den frechen, lauten Papageien. Unsere Nerven haben ganz schön zu leiden, da er noch den ganzen Abend das Geschrei imitiert.

Wofür ist die Karibik bekannt? Natürlich Rum! Deshalb wird es Zeit, daß wir ein Destillerie besuchen. Wir laufen vorbei an kilometerlangen Zuckerrohrplantagen bis wir die Zufahrt zu „Depaz Rhum“ erreichen. Bei einem Rundgang können wir uns die einzelnen Phasen des Herstellungsprozesses genau anschauen. Die gesamte Anlage wird von einer großen, 350 PS starken, Dampfmaschine angetrieben. Da Thorben eine Leidenschaft für Dampfmaschinen hat, steht er staunend vor der archaischen Technik. Als Brennstoff dienen die ausgepressten Zuckerrohrstangen und die Hitze wird zudem zum Destillieren benutzt. Bei der abschließenden Verköstigung zieht es uns fast die Schuhe aus! Fröhlich und mit leichtem Seemannsgang machen wir uns auf den Weg nach Hause.

Da waren sich alle immer einig, Dominica ist die Perle der Karibik. Leider hat der Hurrikan „Maria“ die Insel total zerstört. Aus diesem Grund fällt dort unser Anker nicht und wir segeln direkt nach Marie Galante. Die flache Insel hat für uns nicht allzu viel zu bieten, weshalb uns schon nach zwei Tagen die Iles des Saintes locken. Bei einigen Spaziergängen genießen wir die Panoramen der bezaubernden Inselgruppe. Die Sicht reicht von Dominica bis nach Guadeloupe, unser nächstes Ziel. Wie es dort weitergeht erfahrt ihr im nächsten Bericht.

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