Von Brasilien in die Karibik

“Ihr muesst zuerst zur Policia Federal!” sagt uns der Zollbeamte in Cabedelo. Leider muessen wir dazu zurueck nach Jacare, wo wir gerade hergekommen sind. Bevor wir weitersegeln duerfen, muessen wir “ausklarieren”. In Brasilien bedeutet das drei verschiedene Behoerden in drei verschiedenen Staedten und viel Papierkram. In der Policia Federal wird uns die zweistuendige Wartezeit mit Videos der Gewalttaten der letzten Woche verkuerzt. Als wir endlich den Ausreisestempel im Pass haben, ist es natuerlich schon zu spaet fuer den Zoll. Das erledigen wir am naechsten Morgen und fahren danach mit dem Zug nach Jao Pessoa zur Capitania dos Portos, der letzten Station. Gluecklich dem Behoerdendschungel entronnen, setzten wir uns in den Zug zurueck nach Jacare. Laut hupend schlaengelt er sich im Schritttempo durch die Favelas, die bis an die Gleise reichen. An der naechsten Station rennen ploetzlich alle Fahrgaeste laut schreiend, in Panik, aus dem Zug und verschanzen sich hinter den Bahnhofstueren. Sascha schnappt sich Thorben und Amrei rennt mit den Rucksaecken. Wir verlieren uns aus den Augen. Nach einiger Zeit steigen alle wieder in den Zug ein. Vorne, an der ersten Tuere treffen wir uns wieder und der Zug setzt seine Fahrt fort. Wir sind noch nicht weit gekommen, als alle Fahrgaeste von den hinteren Wagen nach vorne gestuermt kommen. Ein grosser, breitschultriger Mann, bedeutet uns hinter ihm, auf dem Boden, in Deckung zu gehen. Eine Frau reicht Thorben eine Flasche Wasser. Alle verstecken ihre Handys in den Unterhosen. Sascha steckt die Paesse unter sein T-Shirt. Einige haemmern mit den Faeusten auf die Tuer zur Fahrerkabine, schliesslich reissen sie sie einfach raus! Der Zug haelt in Jacare und wir koennen, in Deckung von dem breitschultrigen Mann, den Zug verlassen und fliehen. Auf der Hauptstrasse angekommen, sehen wir mehrere Polizeiautos vorbeirasen. Es dauert noch eine ganze Weile, bis unsere Knie nicht mehr zittern. Das ist fuer uns nochmal gut gegangen.

Ein Squall jagt den naechsten, als wir zum zweiten Mal unserer Reise den Aequator ueberqueren. Am spaeten Nachmittag entdecken wir einen neuen Besucher. Majestaetisch flolgt ein grosser Hochseehai dem Kielwasser der Lotte. Fasziniert beoabachten wir den eleganten Raeuber der Meere.

Nach 16 Tagen und 1400 Seemeilen laufen wir in die kleine Bucht von Ile Royal, eine der drei Teufelsinseln, ein. Bekannt sind die ehmaligen Gefaengnisinseln aus dem Film “Papillon”. Schon am Ankerplatz, eingerahmt von dichtem Gruen, hoeren wir die Geraeusche des Dschungels. Die staendige Hintergrundmusik in diesem Konzert der Tiere bilden die Zikaden. Als Solisten im Vordergrund streiten die Affen und schreien die Pfauen. Der Refrain kommt von den vielen tropischen Voegeln. Unser Spazierweg fuehrt uns unter unzaehligen Palmen hindurch. Thorben baut aus Stoecken und leeren Kokusnussschalen Kochstellen, in denen er nach Herzenslust unsere Lieblingsgerichte zubereitet. Auf einer Wiese unter grossen Baeumen, laesst sich die Mittagshitze gut ertragen. Zumindest solange, bis uns einige Mangos um die Ohren fliegen. Wer hat es da auf uns abgesehen? Hoch oben im Geaest entdecken wir einen Affen. Er scheint ein Feinschmecker zu sein, denn er kostet von jeder Frucht und alle die, die im nicht munden, pfeffert er auf uns herunter. Wir fluechten.

Gegenueber der Teufelsinseln liegt Kourou mit dem europaeischen Weltraumbahnhof. Wir haetten sehr gerne einen Raketenstart miterlebt. Durch einen Generalstreik sind aber alle Starts auf unbestimmt verschoben. Nach drei herrlichen Tagen machen wir uns deshalb auf den Weg nach Tobago. Dank gutem Wind und viel Stroemung erreichen wir in nur fuenf Tagen die Store Bay.

Die unschoenen Erlebnisse in Brasilien fuehren dazu, dass wir unsere Route aendern. Die Kuesten von Venezuela, Honduras, Guatemala und Belize gelten als gefaehrliche Gegenden. Da wir eine Wiederholung der Ereignisse in Brasilien befuehrchten, werden wir die Hurrikansaison auf Tobago und Grenada verbringen. Anschliessend wollen wir ueber die Westindischen Inseln zu den Bahamas segeln.

Wie wir die Zeit auf Tobago verbringen, koennt ihr im naechsten Bericht lesen.

Salvador und die Bahia

Salvador ist laut, spannend und ueberraschend. Allein Busfahren ist ein Abenteuer. Das Lieniennetz und die Fahrzeiten funktionieren nach einem geheimnisvollen Plan, der sich Aussenstehenden nicht so leicht erschliesst. Fahrplaene gibt es nicht, welche Busse an der jeweiligen Haltestelle halten und deren Ziel ist nirgendwo ersichtlich. Da hilft nur nachfragen. Wenn man es geschafft hat und im richtigen Bus sitzt, meint man sich auf dem Nuerburgring zu befinden. Wer sich nicht festhaellt ist selber schuld. Eines unserer Ziele ist der Markt Sao Joaquin. In engen Gassen werden Obst, Gemuese, Haushaltswaren und Gewuerze verkauft. Besonders exotisch ist fuer uns der Fleischmarkt. Ungekuehlt werden, in vor Blut triefenden Holzbuden, Kuhaugen, Ziegenkoepfe, Innereien und die Geschlechtsteile der Ochsen angeboten. Es wimmelt von Fliegen und anderen interessanten Insekten. Na dann, guten Appetit!

Doch fuer einen Fuenfjaehrigen wird die Stadt schnell langweilig. Wir machen die Leinen los und segeln zehn Meilen zur Insel Itaparica in eine ganz andere Welt. Idyllisch liegt der Ankerplatz zwischen einer Sandbank und einem kleinen Ort. Es gibt eine Marina in der man kostenlos sein Dinghi parken und Wasser tanken kann. Das Wasser kommt aus der “Fonte da Bica”, einer oeffentlichen Wasserstelle, die sich ruehmt das beste Wasser in der Bahia zu haben. Hier ist immer was los, zu Fuss, mit Schubkarre, Esel-Fuhrwerk oder Pickup wir das Wasser kanisterweise nach Hause transportiert.

Wir riggen Mast und Segel fuer unser Beiboot “Liese” auf und segeln beladen mit Spielsachen, Kescher und Eimer zur Sandbank. Thorben verbringt hier Stunden mit Sandburgen bauen, Krebse fangen und Wasserplanschen. Bei Flut ist der Spass allerdings vorbei und die Sandbank mit Wasser ueberspuehlt. Wir nutzen die Gelegenheit um mit “Lotte” trocken zu fallen. Dazu muessen wir leider um zwei Uhr nachts aufstehen, um mit dem Hochwasser auf die Sandbank zu fahren. Am fruehen Morgen steht sie dann auf dem Trockenen und wir koennen mit Spachtel und Schwamm den Rumpf von Muscheln und Algen befreien. Langsam steigt das Wasser und als “Lotte” wieder schwimmt, tuckern wir zurueck zum Ankerplatz.

Gemeinsam mit Debbie und Brian, unserern amerikanischen Freunden von der “Dawn Treader”, folgen wir dem Flusslauf des Rio Paraguacu. Begleitet von Delfinen geniessen wir die tropische Landschaft, die an uns vorbeizieht. Abends faellt der Anker vor dem Staedchen Maragojipe. Am folgenden Morgen ist Markttag. Ueber holprige Strassen reisen die Bauern auf ihren Pferde- oder Maultierkutschen an und bieten ihre Ware feil. Bei diesem Angebot faellt es uns schwer zu entscheiden, was wir wo kaufen moechten. “Diese Ananas hier, die Mangos sahen dahinten sehr gut aus, wo waren noch mal die leckeren Maracujas?“ Oder sollen wir evt. noch eine lebendes Huhn mitnehmen? Da haette Thorben endlich jemand zum spielen! Nach einer erfrischenden Trinkkokusnuss erkunden wir mit Debbie und Brian die Stadt mit ihren vielen, meisst verfallenen, Kolonialbauten.

Nach Sonnenuntergang sitzen wir beim Abendessen im Kockpit unserer “Lotte” als ein kleines Fischerboot vorbeifaehrt. Wir winken, koennen aber bei der Dunkelheit niemand erkennen. Ploetzlich macht das Boot leise an unserer Steuerbordseite fest und drei Maenner klettern an Bord. Sie sind mit Pistolen bewaffnet und maskiert. “Cellular, Cellular” schreit der eine und fordert unser Handy. Thorben schreit vor Angst und Amrei wird aufgefordert ihn zu beruhigen. Sascha soll ins Cockpit zurueck wo er unsanft mit dem Fuss zu Boden gedrueckt wird und dabei die Brille verliert. Einer der drei bewacht ihn mit der Pistole am Kopf, waehrend die anderen das Boot ausraeumen. Computer, Kameras, Ipad, mp3-Player, Funkgeraete und Werkzeugkisten werden aus dem Niedergang auf das Fischerboot gereicht. Auch unsere externe Festplatte, auf der alle unsere Fotos der Reise gespeichert sind, nehmen sie mit. Sie sind fuer uns unwiderbringlich verloren, das ist sehr schade! Nach einer Ewigkeit verlassen uns die Maenner wieder. Wir sind unendlich froh, dass uns nichts passiert ist. Erstmal trauen wir uns nicht aus dem Boot raus. Nach einer Weile kommen Brian und Debbie in ihrem Beiboot zu uns gerudert, sie sind ebenfalls ueberfallen worden. Die Taeter haben eine betraechtliche Beute mitgehen lassen. Wir ueberlegen hin und her, wie wir jetzt weiter vorgehen wollen. Die Nacht hier zu verbringen ist fuer uns unmoeglich, deshalb gehen wir ankerauf und tasten uns ganz langsam, im Dunkeln, unter Motor zur Flussmuendung zurueck. Um Mitternacht haben wir unser Ziel erreicht. Thorben schlaeft, doch Sascha und Amrei lauschen auf jedes kleine Geraeusch, an Schlaf ist nicht zu denken. Mit dem ersten Sonnenstrahl des Morgens geht es weiter nach Itaparica.

Nach fuenf Stunden bei der Polizei haben wir langsam die Nase voll. Dreimal, bei drei verschiedenen Beamten, muessen wir unsere Geschischte erzaehlen, damit sie dreimal in einen Computer getippt werden kann. Wohlgemerkt, alle sitzten im selben Raum! Dann noch die Koerpergroesse, Name der Eltern, Familienstand der Eltern …

Der Bug schneidet in die Wellen, hoch am Wind kaempfen wir uns in den Norden von Brasilien, nach Jacare. Bei einer Strecke von 480 Seemeilen ist auch wieder Brotbacken angesagt. Der Geruch der ploetzlich aus der Kajuete kommt riecht aber so gar nicht nach frisch Gebackenem. Flammen zuengeln um den Backofen. Im nu ist alles voll dickem, schwarzem Rauch der das Atmen unmoeglich macht. Jetzt schnell den Feuerloescher aktivieren. Nach gefuehlten fuenf Sekunden ist der leer, aber es brennt immer noch. Durch die Hitze schmilzt die Petroleumzuleitung. Wie ein Flammenwerfer spuckt sie ,das unter 1 bar Druck stehende, Petroleum aus. Amrei gelingt es den Hahn zu schliessen und mit Seeasser haben wir das Feuer bald unter Kontrolle. Es dauert noch eine ganze Weile bis wir die Kajuete wieder betreten koennen um die groesste Sauerei zu entfernen. Wo bleibt nur der “Tatortreiniger” wenn man einen braucht?” Gluecklicherweise kann Sascha den Herd wieder zum laufen bringen und wir muessen die restlichen Tage nicht auf eine warme Mahlzeit verzichten.

In Jacare haben wir uns vor 12 Jahren auch einige Monate aufgehalten. Viel hat sich hier veraendert. Einzig der Bolero wird noch jeden Abend bei Sonnenuntergang, von einem kleinen Boot aus, auf einem Saxofon gespielt.

Wir besuchen unsere Bekannten von damals, den Englaender Brian auf seiner Werft, Christoph, der Deutsche, der heute Segelmacher ist und in Theos Haus wohnt. Den Schweizer Theo, der damals ein Internet-Cafe hatte, treffen wir leider nicht.

Anfang April wollen wir zu den Teufelsinseln und nach Kourou in Franzoesisch Guyana segeln, was wir dort erleben koennt ihr im naechsten Bericht lesen.

Die Fotos sind mit einer einfachen Kompaktkamera gemacht, da unsere Fotoausruestung und Bildbearbeitung den Dieben in die Haende gefallen sind.

Ueberfall im Paradies

Nachdem wir von der lauten Grossstadt Salvador erstmal genug haben, wollen wir gemeinsam mit unseren amerikanischen Freunden Debbie und Brian von der “Dawn Treader” die Ankerplaetze der Bahia erkunden.

Eines unserer Ziele ist der Wochenmarkt in Maragojipe. Wieder zurueck auf der Lotte werden wir an diesem Abend leider Opfer eines Raubueberfalls.

Die Maenner verschwinden mit nahezu allen unseren elektronischen Geraeten. Zum Glueck sind wir unverletzt und lassen uns die Freude an der Fahrt nicht nehmen.

Jetzt wollen wir in den Norden von Brasilien nach Jacare segeln. Von dort aus werden wir auch einen ausfuehrlichen Bericht ueber alles was hier passiert ist veroeffentlichen.

Es bleibt also spannend! Bleibt dran und lebt mit uns die Abenteuer.

Atlantiküberquerung

Ulrike und Mathias von der „Bella“ stehen auf dem Steg und winken uns zum Abschied. Die Wassertanks sind bis oben hin gefüllt und alle Stauräume mit Proviant vollgestopft. Wir sind bereit für unsere zweite Atlantiküberquerung. Bei schönem Segelwetter verlassen wir die Bucht von Mindelo mit Kurs Süd und haben am nächsten Abend die Insel Brava an Backbord. Langsam stellt sich die Bordroutine ein: Morgens aufstehen, frühstücken, um 1100 Uhr UTC das Intermar Morgennetz, jeden zweiten Tag ein Brot backen, basteln, malen und spielen mit Thorben, um 1200 Uhr Mittagsposition und Logbucheintrag, Mittagsimbis, Eimerdusche, basteln, malen und spielen mit Thorben, um 1600 UTC Intermar Abendnetz, dann kochen, Abendessen, spülen und Thorben in die Koje bringen, um 2000 Uhr Start der Nachtwachen im Dreistundenrythmus.

Auf 4° Nord ist auf einmal Schluß mit dem schönem Segeln, der Wind ist eingeschlafen und am Himmel türmen sich bedrohliche Wolkenmassen. Wir haben die Rossbreiten erreicht. Diese äquatoriale Tiefdruckrinne umspannt den ganzen Globus und sorgt für Gewitter, Regen und gelegentliche Squalls. Wir dümpeln auf der Stelle, nervtötend schlagen der Baum und die Segel hin und her, wir starten den Motor. Nach 24h haben wir eigentlich genug vom Diesellärm, aber am Wetter hat sich noch nichts geändert. Also beschließen wir noch weiter zu motoren. Am zweiten Tag spüren wir, wie sich die Segel wieder mit Wind füllen. Leider hält die Freude nur kurz an, wir sind immer noch in den Rossbreiten. Abends sitzen wir gebannt vor dem kleinen Bildschrim des GPS und starren auf die Zahlen der Breitengrade. …3,2,1–“SÜD“ steht da ganz deutlich. Wir haben den Äquator überquert. „Schnell, wir müssen nach draußen und gucken!“ ruft Thorben und ist etwas enttäuscht, daß er nichts sehen kann. Nach zwei weiteren, mühsamen Tagen haben wir es dann endlich geschafft. Der Südostpassat stellt sich ein und wir nähern uns Brasilien. Es folgen wunderschöne Segeltage bis wir am Horizont die gewaltige Skyline von Salvador erkennen können. Nach 24 Tagen segeln wir in die Bahia um in der Marina unterhalb der bekannten Altstadt festzumachen.

Wir sind sehr glücklich und sehr müde. Es sieht noch alles genauso aus wie vor 12 Jahren. Ausgehungert nach Vitaminen suchen wir zunächst die zahlreichen Obststände in der Stadt auf. Ananas, Mangos, Maracujas und Bananen füllen unsere Rucksäcke. Nirgendwo auf der Welt schmeckt es so gut wie hier!

Nach einer Nacht durchschlafen, ohne Wachen, starten wir das nächste Abenteuer, einklarieren!

Policia Federal, Receite Federal, Hafenkapitän, zahlreiche Formulare ausfüllen (natürlich auf Portugisisch), in Kameras schauen, warten, warten und nochmal warten. Dann haben wir es geschafft, wir sind offiziell in Brasilien und dürfen 90 Tage bleiben.

Am Nachmittag fahren wir zur Erholung mit dem Aufzug in die Altstadt Pelourinho. Thorben zuckt erschrocken zusammen, als die Trommler der weltbekannten Percussionsgruppe „Olodum“ den Sambarythmus anstimmen. Laut und wild geht die Musik ins Blut wenn die Musiker ihre Trommeln hoch in die Luft stemmen. „Was nicht laut ist, ist nicht gut“, könnte das Motto der Stadt sein. Jeder versucht hier den anderen mit seiner Musik zu übertönen. Stören tut das niemand. Undenkbar bei uns in Deutschland, wo das Ortnungsamt wohl graue Haare kriegen würde.

Plötzlich stehen Daniela und Michael am Steg vor unserem Boot und wir freuen uns sehr die Freunde von unserer letzten Fahrt wieder zu treffen. Sie haben sich damals ein Haus in der Gegend gekauft und verbringen den Winter hier.

Für Kinder bietet die Großstadt leider nichts, deshalb segeln wir in den nächsten Tagen nach Itaparica und den zahlreichen weitern Ankerplätzen in der Bahia.

Was wir da erleben erfahrt ihr im nächsten Bericht.

Kapverdische Inseln

„Noch 45 Minuten bis zum Start!“ ertönt es aus dem Lautsprecher. Letzter Proviant wird an Bord genommen, Aufkleber mit Motivationssprüchen aufgeklebt und noch einmal die Solarpanele geputzt. Man liegt sich in den Armen, spricht sich gegenseitig Mut zu und die ein oder andere Träne fließt in diesem emotionalen Moment. Begleitet von Salutschüssen verlassen die Ruderer die Marina von La Gomera. In den nächsten Tagen und Wochen werden wir noch oft an sie denken und unter keinen Umständen mit ihnen tauschen wollen.

„Hallo, ich bin der Günter, darf ich euch ein paar Fragen stellen?“ Ein symphathischer Mann steht an unserem Boot und möchte allerhand über das praktische Fahrtenseglerleben erfahren. Günter Wamser hat 11 Jahre lang auf Pferderücken und mit Hund Süd- und Mittelamerika erkundet, jetzt will er eine neue Art des Reisens, mit dem Segelboot, ausprobieren. Als Dankeschön schenkt er uns ein Buch über seine Abenteuer mit dem Titel: „Der Abenteuerreiter“.

Auch für uns wird es mal wieder Zeit, wir verlassen den Hafen von San Sebastian mit Kurs Kapverdische Inseln. Nach zwei Tagen schönen Segelns hängen wir in einer Flaute fest. „Ihr befindet euch gerade in einem Windloch,“ teilt uns die Stimme von Uwe aus Deutschland über Funk mit. „Wenn ihr bis Mitternacht durchhaltet, sollte wieder etwas Wind aufkommen!“ Er hat recht, bald spüren wir eine leichte Brise. Sie wird stärker und stärker. Am Morgen des 24.12 messen wir schon 30 Knoten. Um die Lotte auf Kurs zu halten, müssen wir seit Stunden von Hand steuern. In regelmäßigen Abständen brechen die Wellen über uns und unser Cockpit und wir werden mit einer ordentlichen Portion Salzwasser geduscht. Aus dem Augenwinkel sehen wir die Windfahne der Selbststeueranlage traurig herunterbaumeln. „Genickbruch“, da ist momentan nichts mehr zu machen. Jetzt haben wir keine Selbststeuermöglichkeit mehr und noch 300 Seemeilen bis Sal. So haben wir uns Heiligabend auf See wirklich nicht vorgestellt. Am Weihnachtsmorgen hat sich das Wetter wieder etwas beruhigt, aber von der Sonne ist nichts mehr zu sehen. Stattdessen ist alles mit rotem, feinem Sand überzogen, die Segel, das Deck, die Seile und selbst unsere Schleimhäute. „Harmattan“ nennt man die Wetterlage, bei dem der Saharasand Richtung Westen auf See getragen wird und einfach alles verdunkelt. Auch die Insel Sal sehen wir erst, als wir bis auf eine Seemeile herangekommen sind. Sehr unheimlich. Dank der elektronischen Seekarten und GPS finden wir unser Ziel und der Anker fällt im Hafenbecken von Palmeira.

Wir haben Europa hinter uns gelassen. Die Menschen hier sind arm, sehr arm! Wasser holen sie sich am „Fontenario“, der öffentlichen Wasserstelle. Viel hat sich in den 12 Jahren, seit wir das letzte mal hier geankert haben, nicht verändert. Es kommen mehr Touristen, was der Insel sicher gut tut.

Im Süden der Insel soll es einen schönen Sandstrand geben. Um dorthin zu gelangen, setzten wir uns in ein „Aluguer“, dem hirzulande üblichen Transportmittel. Die japanischen Kleinbusse fahren erst los, wenn auch der letzte Platz besetzt ist. In Deutschland für neun Personen zugelassen bedeutet das hier schon mal 20 Personen und Gepäck. Bei 30 Grad ohne Klimaanlage wird das vor allem für Thorben, der sich zwischen Rucksack und Vorderbank auf unserem Schoß quetscht, ganz schön anstrengend. Der Blick aus dem Fenster zeigt eine Schutt- und Geröllwüste. Auf der Insel wächst nichts, ein deprimirender Anblick. Doch der Strand ist wirklich schön. Feiner Sand und hohe Wellen, ein Traum für Surfer.

In der Silvesternacht segeln wir nach Sao Nicolau. Geprägt von hohen Bergen, gilt sie als die grünste Insel des Archipels. Hier wachsen Bananenstauden und Papayabäume, die Menschen wirken fröhlich und entspannt. Wir fühlen uns wohl.

Bevor wir Mindelo, die Hauptstadt der Kapverden erreichen, ankern wir noch zwei Nächte vor der unbewohnten Insel Santa Luzia. Glasklares Wasser mit vielen Fischen lädt zum Schnorcheln ein. Ab und zu schwimmt eine Schildkröte an unserer Lotte vorbei um „Hallo“ zu sagen.

Wir machen in Mindelo fest, der einzigen Marina der Kapverden. Hier findet Thorben endlich mal wieder Spielkameraden, viele Spielkameraden. Auf dem schweizer Nachbarboot gibt es gleich fünf Kinder und einen Hund. Zu dem tummeln sich viele französische Kinder auf den Stegen. Ruckzuck wird unsere kleine Kajüte entweder zu Legoland oder zu einem Bastelparadies. Für die Eltern bleibt da kein Platz mehr, außer wenn die Rasselbande plötzlich Heißhunger bekommt.

Mindelo ist unser Absprunghafen für die lange Reise über den Atlantik. Ein paar Kleinigkeiten stehen noch auf unserer Arbeitsliste, doch in wenigen Tagen kann es losgehen. Wir sind jetzt schon näher an Brasilien, als an Gibraltar!

Wie es uns auf der Atlantiküberquerung ergangen ist, könnt ihr im nächsten Bericht lesen!

Ach so, endlich ist es mir auch mal gelungen zwei kleine Filme hochzuladen. Leider nicht auf den segelflumis Kanal. Die Filme findet ihr unter: https://www.youtube.com/channel/UCRVJimUaGUgKOw-Ot9qCKlw

Bitte liken und abonnieren, wir hoffen noch mehr Filme hochladen zu können.

Wer Lust hat, kann auch auf der Homepage von Intermar e.V.: www.intermar-ev.de unseren Funkkontakt verfolgen. Mit dem Audiostream könnt Ihr um 1200 Uhr oder um 1700 Uhr MEZ reinhören, ob uns eine Verbindung gelingt. Saschas Rufzeichen lautet: DL4FCA.

Lanzarote und La Gomera

Über eine steile, schmale, gewundene Straße fährt unser Bus durch Lanzarotes Nationalpark. Um uns herum eine faszinierende Vulkanlandschaft in verschiedenen Rottönen. So ungefähr muß es wohl auch auf dem Mars aussehen.

Für eine Woche haben wir ein Auto gemietet, um die Gegend zu erkunden. Wir sind begeistert von der Schönheit der Insel. Zum ersten Mal lassen wir unsere Kameradrohne fliegen um einige Luftaufnahmen zu bekommen.

Jetzt würden auch die Pillen gegen Seekrankheit helfen; wir sitzten auf einem Dromedar und ziehen mit einer Karawane durch Timanfaya. Darauf hat sich Thorben schon die ganze Woche gefreut. Am spannensten findet er die Kamelköttel von den Tieren vor uns!

Leider haben wir das Auto nicht nur zum Vergnügen. Auf Lanzarote haben wir eine gute Möglichkeit unseren Proviant für die bevorstehende Atlantiküberquerung aufzustocken. Stunden verbringen wir im Lidl, Hiperdino und Mercadona. Viermal zeigt der Einkaufsbon über 100 Euro an. Mehr als eine Tonne an Lebensmitteln müssen wir auf unserer „Lotte“ verstauen. Dazu kommen   Weihnachtsgeschenke und 40 Liter Petroleum.

Wir sind froh als wir das Auto wieder zurückgeben und die Einkaufstouren ein Ende haben.

Mittlerweile sind unsere Freunde auf ihren Yachten weitergezogen und auch für uns wird es nach über einem Monat Zeit, die Leinen zu lösen.

Uns erwartet schönstes Segelwetter und eine interessante Route. Bei Sonnenuntergang segeln wir an der Küste von Fuerteventura entlang. Nachts sieht man schon den Widerschein der Lichter von Las Palmas  am Himmel. Am zweiten Tag begleitet uns die gewaltige, rauhe Küste von Gran Canaria an Backbord. Voraus entdecken wir schon den spitzen Kegel des Pico del Teide auf Teneriffa über den Wolken. Nachts runden wir die Südspitze Teneriffas um exakt nach 48 Stunden  in dem kleinen Hafen von San Sebastian auf La Gomera einzulaufen.

Erstmals auf dieser Reise haben wir unseren Wetterbericht von INTERMAR über Amateurfunk bekommen. Hierbei handelt es sich um Funkamateure die täglich deutschsprachige Fahrtensegler auf den Weltmeeren betreuen.

In San Sebastian dreht sich momentan alles um ein Thema: Die „Talisker Atlantic Challenge- The world’s toughest row!“ 12 Teams wollen in ca. 7 m langen und  sehr schmalen Ruderbooten von La Gomera über den Atlantik nach Antigua rudern. Dabei wäre es doch so einfach ein Segel zu setzten :-).

Die Stege sind bevölkert von Fernsehteams, die die muskelbepackten Männer und Frauen interviewen.  An den Booten wird fleißig gebastelt, gestaut und geputzt. Nachmittags geht es zum Training raus aufs Meer. Wir sind sehr interessiert und kommen mit Azud vom Team „Fresh Dental“ ins Gespräch. Am meisten fürchtet er das ständige Rollen im Seegang. Ab sofort ist das Boot mit Nummer 11 aus Devon, England unser Favorit. Der Startschuß fällt am 14.12.16 ca. 60 bis 90 Tage später kommen sie dann in Antigua an.

Auf einem noch kleineren Boot (ca. 6m) macht Christoph gerade die Leinen los mit Ziel Karibik. Mit 18 Jahren, direkt nach der Schule, ist er aus Deutschland aufgebrochen. Was für eine tolle Erfahrung in diesem Alter!

Unser nächstes Ziel sind die Kapverdischen Inseln. Bis ihr lesen könnt, wie es dort weitergeht, müsst ihr euch evt. ein wenig gedulden, da es wahrscheinlich nicht überall Internet geben wird.

Von Gibraltar nach Lanzarote

 

„Gale Warning!“, „Sturmwarnung für die Straße von Gibraltar ab 0:00 Uhr!“ verkündet die Stimme aus dem Funkgerät. Wir sind gerade eine Meile vor Tarifa und binden das zweite Reff ins Großsegel. Noch ist es deutlich vor 0 Uhr, aber es weht schon ganz schön. Das Meer um uns brodelt, die Strömung ist gegenan. Wir geben Gas um rechtzeitig aus der Starkwindzone raus zu sein.

Die nächste Herausforderung ist das Verkehrstrennungsgebiet, einer Art „Autobahn“ für die Berufsschifffahrt, das wir queren müssen. Wir suchen eine größere Lücke, um sicher rüber zu kommen, und los geht es. Gegen 22 Uhr sind wir durch und unser Plan, rechtzeitig im Schutze der marrokanischen Küste zu sein, ist aufgegangen. Als wir das Kap Espartel passieren wird das Wetter deutlich angenehmer.

Leider nimmt der Wind so weit ab, daß wir am zweiten Tag auf einer spiegelglatten See dümpeln. Das Meer sieht aus wie die Frischhaltefolie in der „Augsburger Puppenkiste“. Langsam driftet eine Meeresschildkröte an der Bordwand vorbei und blubbert ungerührt Luftblasen ins Wasser. Bei so ruhigem Wetter kann man gut die Tiere im Meer beobachten. Plötzlich hören wir den Blas eines Wals, etwa eine halbe Meile entfernt sehen wir den großen Rücken des Tieres auftauchen. Noch ein paar Mal holt er Luft um dann wieder in den Tiefen des Atlantiks zu verschwinden.

Wie entdecken ein kleines, offenes Fischerboot mit drei marrokanischen Fischern an Bord. Sie sind ganz aufgeregt und jubeln uns zu. Kurz darauf sehen wir auch den Grund dafür, an einer Fischerleine kämpft wild ein großer Hai um sein Leben. Wir freuen uns mit ihnen und winken zurück, für die Fischer sicher ein guter Fang.

Am Morgen des achten Tages taucht endlich Land vor unserem Bug auf. wunderschön ist der Blick auf „Lanzarote“ mit seinen dunklen Vulkanen und weißen Häusern. Thorben ist sich sicher, wir haben die Drachenstadt von Lukas, dem Lokomotivführer entdeckt! Hier irgendwo muß doch Frau Mahlzahn und der kleine Halbdrache Nepomuk zu finden sein.

Im Süden der Insel machen wir die Leinen in der „Marina Rubicon“ fest. Man braucht einen Plan, um sich in der großen Marina zurechtzufinden. Wir freuen uns auf das Schwimmbecken, es ist jedoch nicht geheizt, so daß wir es nicht lange im Wasser aushalten. Eine Woche später feiern wir Thorbens fünften Geburtstag. Morgens schmücken wir das Boot mit Luftballons und Luftschlangen, nachmittags gibt es Schokoladenkuchen, den wir gemeinsam mit unseren Stegnachbarn genießen.

Zuerst kommen unsere französischen Freunde mit ihrer Tochter Romane an. Vor drei Tagen läuft auch die „Arlou“, mit Suse, Fabian, Lucie und Moritz, ein. Wir verbringen viel Zeit miteinander, die Kinder ziehen als wilde Piratenbande durch den Hafen.

Bevor wir Anfang Dezember nach „La Gomera“ weitersegeln wollen, haben wir noch ein Auto gemietet, um die Insel zu erkunden.

Was wir dabei erleben erfahrt ihr im nächsten Bericht.

 

Gibraltar

Unser erster längerer Seetörn steht an. Von Ibiza wollen wir nonstop das westliche Mittelmeer bis La Linea/ Gibraltar durchqueren. Für uns auch ein Test, wie unserem Leichtmatrosen Thorben mehrer Tage auf See bekommen. Der ist schon nach den ersten Meilen in die Welt der Piraten eingetaucht. Mit seinem Fernglas hält er Ausschau nach zu kapernden Schiffen. Dann wird der Enterhaken geschmissen und Gold, ein Degen, Augenklappe und Piratenmütze erbeutet. „Lotte, der Schrecken der Weltmeere!“

Für die erwachsene Crew sieht es etwas anders aus. Viel Schiffsverkehr und wenig Wind zerren an den Nerven. Als von achtern das Kreuzfahrtschiff Costa Magica genau auf uns zuhält, funken wir es an. Ja, sie haben uns auf dem Radar und ändern den Kurs um uns an Steuerbord zu passieren, kommt die freundliche Antwort von der Brücke.

Nachts begegnen uns noch das berühmte russische Segelschulschiff „Kruzenshtern“ und der Luxusliner „Queen Elizabeth 2“.

„Anruf an alle Schiffe!“ ertönt es aus dem Funkgerät. Die Segelyacht „Wodka“ hat ein Boot mit Flüchtlingen entdeckt, ist aber zu klein um sie an Bord zu nehmen. Wir antworten, sind aber zu weit entfernt um helfen zu können. Es dauert Stunden, bis die Küstenwache am Abend einen Hubschrauber und ein Zollboot schickt.

Für unseren Geschmack müssen wir viel zu viel motoren, aber einfach mit schlagenden Segeln dahinzutreiben fehlt uns (noch) die Geduld. Dafür bekommen wir häufig besuch von Delfinen. Am Bug sitztend, bewundern wir ihre lustigen Kapriolen.

Am Morgen des 6. Tages taucht der Felsen von Gibraltar aus dem Nebel auf. Die Luft riecht streng nach Schweröl, unzählige Frachter liegen vor Anker und warten darauf zollfrei zu bunkern.

Thorben freut sich darauf die Affen zu besuchen und fragt schon danach, wann wir zur nächsten Kaperfahrt starten.

Die Freude ist groß, als wir unsere französischen Freunde aus Soller wiedertreffen. Gemeinsam erkunden wir die Sehenwürdigkeiten von Gibraltar. Die Kinder können gar nicht genug von den neugierigen Berberaffen bekommen. Viel zu schnell geht für sie der Tag vorrüber.

In der Marina liegt noch ein anderes deutsches Boot mit Kindern an Bord. Suse, Fabian, Lucie und Moritz von der „Arlou“. Schnell haben die Kleinen Freundschaft geschlossen und machen die Spielplätze der Umgebung unsicher. Doch schon nach ein paar Tagen heißt es Abschied nehmen. „Arlou“ möchte nach Madeira und wir nach Lanzarote. Hoffentlich sehen wir uns bald wieder.

Inzwischen sind wir auf Lanzarote angekommen. Wie die Fahrt dahin war, könnt ihr im nächsten Bericht lesen.

Die Balearen, nicht so wie geplant

Am Montag, den 3. Oktober, verlassen wir die laute, quirlige Stadt Barcelona mit Kurs Menorca. 120 Seemeilen bedeuten für uns, daß wir die Nacht durchsegeln und am Nachmittag des folgenden Tages unser Ziel erreichen.

Mit Menorca verbinden wir viele Erinnerungen von unserer letzten Reise. Ruhige, sichere Ankerbuchten mit glasklarem Wasser und felsiger Küste. Deshalb ist die Enttäuschung groß, als wir realisieren, daß wir Kurs Menorca nicht anlegen können, da der Wind genau aus dieser Richtung kommt. Also dann, direkt Mallorca!

Als die Sonne im Meer versinkt, beschließt Thorben die Nacht über wach zu bleiben. Er ist fasziniert von dem grandiosen Sternenhimmel an dem mondlosen Himmelszelt. Doch irgendwann verschwindet auch er in seiner Koje. Selbst als wir den Motor starten müssen, da der Wind eingeschlafen ist, wird er nicht wach.

Am nächsten Morgen fällt unser Anker in der Bucht von Soller.

Wir bauen unser Beiboot „Liese“ und das Stand-up-Paddleboard auf. Zwischendurch springen wir immer wieder ins Wasser um uns abzukühlen. Puerto Soller ist ein Touristenziel mit Flair. In diese Kulisse passt die nostalgische Straßenbahn, die vor den vielen Bars und Restaurants entlangfährt. Wenn wir im Cockpit sitzen hören wir Livemusik, jeden Abend eine andere Stilrichtung.

Nach einer Woche zieht es uns weiter nach Formentera. Wieder ein Nachttörn. Doch als Mallorca achtern im Dunst verschwindet, nehmen Wind und Seegang beständig zu. Es wird ungemütlich! Bei der Geschwindigkeit würden wir Formentera noch in der Nacht erreichen. Wir beschließen mal wieder unser Ziel zu ändern. Im Schutze der Insel Ibiza geht es nach Sant Antonio de Abad. Da schlechtes Wetter vorhergesagt ist, gehen wir direkt in die Marina. Hier nutzen wir die Zeit und die gute Infrastruktur um unsere To-do-Liste abzuarbeiten: eine Led-Lampe für das Ankerlicht, eine neue Sicherung für das Hecklicht und die Montage von zwei zusätzlichen Solarpanelen.

Jeden Tag studieren wir gespannt den Wetterbericht. Für die geplante Route nach Gibraltar brauchen wir ein paar Tage Ostwind. Ob es uns gelingt in einem Stück dort hin zu segeln, erfahrt ihr im nächsten Bericht.

 

Costa Brava

 

In Port Bou erreichen wir unser nächstes Land, Spanien. Noch fällt es uns schwer von „Bonjour“ auf „Buenos Dias“ und von „Merci“ auf „Gracias“ zu wechseln. Aber hier im Grenzgebiet spricht man noch beide Sprachen oder Katalanisch.

Das Segeln gestalltet sich weiterhin schwierig, kein Wind, zuviel Wind, Wind aus der falschen Richtung, zu viel Wind aus der falschen Richtung. Aber der traumhaft schöne Blick auf die Costa Brava und die Berge der Pyrenäen entschädigt uns. Meist erreichen wir unseren Zielhafen am frühen Nachmittag, um dann den Rest des Tages am Strand zu verbringen. Nach einigen Segeltagen taucht vor unserem Bug die Skyline von Barcelona auf. Wir steuern die Marina „Port Forum“ an, bei der wir direkt gegenüber eines großen „Decathlon“ festmachen.

Für Barcelona haben wir einige Pläne: neue Schuhe für Thorben, Proviant einkaufen, einige Sachen für „Lotte“ besorgen, Verwandte und Freunde besuchen. Direkt am nächsten Morgen ist die Wiedersehensfreude groß, als uns Amreis Onkel abholt. In St. Quirze des Valles, einem Vorort von Barcelona verbringen wir einen schönen Tag mit ihm, seiner Frau, Amreis Cousine Irma und ihrer Familie. Thorben beschäftigt sich begeistert mit den Spielsachen von Irmas Söhnen. Als Krönung darf er sich etwas aussuchen, seitdem haben wir mit der Figur „Buzz Lightyear“ ein neues Crewmitglied.

Wir besuchen die Marina Port Vell im Stadtzentrum. 2003/2004 haben wir hier 4 Monate mit unserer „Sarei“ überwintert. Damals ein Treffpunkt für Fahrtensegler aus aller Welt, heute hat sich das Bild gewandelt. Der Hafen ist modernisiert und an den verbliebenen Stegen finden sich Luxusyachten ohne Charme. Überragt wird die Szene von der „Mayan Queen“. Dieser schwimmende, 150 Mio. Dollar Luxuspalast, gehört einem der reichsten Billionäre von Mexico.

Spanische Freunde laden uns zu „Fideua“, einem typisch katalanischen Nudelgericht, ein. Anschließend genießen wir zusammen den Ausblick vom Montjuïc über den Hafen und die Stadt.

Anfang der kommenden Woche möchten wir zu den Balearen segeln. Wie es dort weitergeht erfahrt ihr im nächsten Bericht.