Von Brasilien in die Karibik

“Ihr muesst zuerst zur Policia Federal!” sagt uns der Zollbeamte in Cabedelo. Leider muessen wir dazu zurueck nach Jacare, wo wir gerade hergekommen sind. Bevor wir weitersegeln duerfen, muessen wir “ausklarieren”. In Brasilien bedeutet das drei verschiedene Behoerden in drei verschiedenen Staedten und viel Papierkram. In der Policia Federal wird uns die zweistuendige Wartezeit mit Videos der Gewalttaten der letzten Woche verkuerzt. Als wir endlich den Ausreisestempel im Pass haben, ist es natuerlich schon zu spaet fuer den Zoll. Das erledigen wir am naechsten Morgen und fahren danach mit dem Zug nach Jao Pessoa zur Capitania dos Portos, der letzten Station. Gluecklich dem Behoerdendschungel entronnen, setzten wir uns in den Zug zurueck nach Jacare. Laut hupend schlaengelt er sich im Schritttempo durch die Favelas, die bis an die Gleise reichen. An der naechsten Station rennen ploetzlich alle Fahrgaeste laut schreiend, in Panik, aus dem Zug und verschanzen sich hinter den Bahnhofstueren. Sascha schnappt sich Thorben und Amrei rennt mit den Rucksaecken. Wir verlieren uns aus den Augen. Nach einiger Zeit steigen alle wieder in den Zug ein. Vorne, an der ersten Tuere treffen wir uns wieder und der Zug setzt seine Fahrt fort. Wir sind noch nicht weit gekommen, als alle Fahrgaeste von den hinteren Wagen nach vorne gestuermt kommen. Ein grosser, breitschultriger Mann, bedeutet uns hinter ihm, auf dem Boden, in Deckung zu gehen. Eine Frau reicht Thorben eine Flasche Wasser. Alle verstecken ihre Handys in den Unterhosen. Sascha steckt die Paesse unter sein T-Shirt. Einige haemmern mit den Faeusten auf die Tuer zur Fahrerkabine, schliesslich reissen sie sie einfach raus! Der Zug haelt in Jacare und wir koennen, in Deckung von dem breitschultrigen Mann, den Zug verlassen und fliehen. Auf der Hauptstrasse angekommen, sehen wir mehrere Polizeiautos vorbeirasen. Es dauert noch eine ganze Weile, bis unsere Knie nicht mehr zittern. Das ist fuer uns nochmal gut gegangen.

Ein Squall jagt den naechsten, als wir zum zweiten Mal unserer Reise den Aequator ueberqueren. Am spaeten Nachmittag entdecken wir einen neuen Besucher. Majestaetisch flolgt ein grosser Hochseehai dem Kielwasser der Lotte. Fasziniert beoabachten wir den eleganten Raeuber der Meere.

Nach 16 Tagen und 1400 Seemeilen laufen wir in die kleine Bucht von Ile Royal, eine der drei Teufelsinseln, ein. Bekannt sind die ehmaligen Gefaengnisinseln aus dem Film “Papillon”. Schon am Ankerplatz, eingerahmt von dichtem Gruen, hoeren wir die Geraeusche des Dschungels. Die staendige Hintergrundmusik in diesem Konzert der Tiere bilden die Zikaden. Als Solisten im Vordergrund streiten die Affen und schreien die Pfauen. Der Refrain kommt von den vielen tropischen Voegeln. Unser Spazierweg fuehrt uns unter unzaehligen Palmen hindurch. Thorben baut aus Stoecken und leeren Kokusnussschalen Kochstellen, in denen er nach Herzenslust unsere Lieblingsgerichte zubereitet. Auf einer Wiese unter grossen Baeumen, laesst sich die Mittagshitze gut ertragen. Zumindest solange, bis uns einige Mangos um die Ohren fliegen. Wer hat es da auf uns abgesehen? Hoch oben im Geaest entdecken wir einen Affen. Er scheint ein Feinschmecker zu sein, denn er kostet von jeder Frucht und alle die, die im nicht munden, pfeffert er auf uns herunter. Wir fluechten.

Gegenueber der Teufelsinseln liegt Kourou mit dem europaeischen Weltraumbahnhof. Wir haetten sehr gerne einen Raketenstart miterlebt. Durch einen Generalstreik sind aber alle Starts auf unbestimmt verschoben. Nach drei herrlichen Tagen machen wir uns deshalb auf den Weg nach Tobago. Dank gutem Wind und viel Stroemung erreichen wir in nur fuenf Tagen die Store Bay.

Die unschoenen Erlebnisse in Brasilien fuehren dazu, dass wir unsere Route aendern. Die Kuesten von Venezuela, Honduras, Guatemala und Belize gelten als gefaehrliche Gegenden. Da wir eine Wiederholung der Ereignisse in Brasilien befuehrchten, werden wir die Hurrikansaison auf Tobago und Grenada verbringen. Anschliessend wollen wir ueber die Westindischen Inseln zu den Bahamas segeln.

Wie wir die Zeit auf Tobago verbringen, koennt ihr im naechsten Bericht lesen.

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